Zwischen 541 und 750 starben in wiederholten Seuchenwellen einer spätantiken Pandemie fast die Hälfte aller Menschen im Oströmischen Reich. Auch Teile Germaniens, Galliens und weite Teile des Mittleren Ostens waren betroffen. Historische Berichte lassen vermuten, dass es sich bei der Seuche um die Pest handelte. Begünstigt durch spätantike Vulkanausbrüche und das von ihnen verursachte nasskalte Klima, breitete sich die Pandemie vom Nahen Osten aus über weite Teile Europas aus. Millionen Menschen starben. Doch trotz zahlreicher indirekter Indizien für die Pest als Urheber dieser spätantiken Pandemie fehlten bisher eindeutige Nachweise des Pestbakteriums oder von Pest-Massengräbern aus dem östlichen Mittelmeerraum jener Zeit. Nur in England, Deutschland und Frankreich wurden bisher rund eine Handvoll Gräber mit eindeutig belegbaren Pestopfern identifiziert.
Spurensuche in einer spätrömischen Metropole
Jetzt liefert ein Forschungsteam um Swamy Adapa von der University of South Florida den lange gesuchten Beweis. Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler mehrere Zähne von spätantiken Toten aus der Stadt Gerasa in Jordanien, rund 50 Kilometer nördlich der jordanischen Hauptstadt Amman, untersucht. “Gerasa war während der griechisch-römischen und der byzantinischen Zeit eine wichtige Metropole. Sie gilt noch heute als eine der größten und am besten erhaltenen Stätten römischer Architektur außerhalb Italiens”, erklären die Forschenden. Gerasa umfasste mehrere Tempel, drei Theater, ein Hippodrom und zahlreiche weitere Prachtbauten und war von einer Stadtmauer mit Türmen und Toren umgeben.
Frühere Ausgrabungen hatten bereits gezeigt, dass das Hippodrom von Gerasa im sechsten Jahrhundert nicht mehr als Ort von Pferderennen diente. Stattdessen wurden die Tribünen und Nebenräume als Werkstätten genutzt. Doch Anfang des siebten Jahrhunderts endete auch dies und die Werkstätten verfielen. Etwa um diese Zeit wurden einige Kammern des Hippodroms zu Massengräbern umfunktioniert: Rund 150 Erwachsene und 80 Kinder und Jugendliche waren dort vor rund 1.400 Jahren bestattet worden. “Seit der Entdeckung des Massengrabs waren der Fundort und die Relikte aber nicht mehr zugänglich und nur eine kleine Zahl von Zähnen ist heute für Untersuchungen verfügbar”, erklären Adapa und seine Kollegen. Daher war bisher unklar, woran diese Menschen gestorben waren.






