Die traditionelle Osterparade auf der Fifth Avenue schien an diesem 31. März 1929 wie immer ein Schaulaufen gutsituierter New Yorker und ihrer Familien zu werden, ein von Tausenden unternommener Spaziergang. Vielleicht war die ostentative Darstellung des eigenen Wohlstands in jenem Jahr noch ausgeprägter – die Herren in besonders edlen Maßanzügen, die Damen mit noch wertvolleren Pelzen gewandet –, denn man schrieb das letzte Jahr einer goldenen Dekade, der „Roaring Twenties“. Und so gut es vielen der Flaneure auch ging, so waren sich die meisten sicher, dass es künftig immer noch besser werden, immer weiter aufwärts gehen würde. Das, was weiter unten in Manhattan, an der Wall Street, schon Ende Oktober 1929 folgen sollte, der Zusammenbruch der Börsen, war schier undenkbar.
Am Tag nach der Parade zeigten die Zeitungen in den USA nicht wie sonst nach der „Easter Sunday Parade“ Fotos glücklicher Familien und Paare in ihrem sunday best, im feinsten Zwirn, sondern geradezu schockierende Bilder: Eine kleine Gruppe junger und höchst stilsicher gekleideter Frauen marschierte auf der Fifth Avenue von der 48. zur 54. Straße und tat etwas Verpöntes und in New York gar Verbotenes: Sie rauchten Zigaretten.





