Am 9. November 1918 notierte der in Innsbruck wirkende deutsche Historiker Ludwig von Pastor in sein Tagebuch: „Nachmittags ging ich mit meinem Sohn Ludi zur Brennerstraße, dort bewegte sich ein Heereszug, so groß wie die alte Straße ihn noch nie gesehen. Die Reste der kaiserlichen Armee, nicht vom Feinde, sondern vom Hunger besiegt! Die Armee, die Helden der vier furchtbaren letzten Jahre des alten Kaiserstaates kehren zurück, entwaffnet, todmüde, ohne Dank, sie wissen nicht, wohin sie ihr Haupt legen sollen – die Monarchie, für die sie so tapfer und aufopfernd gekämpft, finden sie in den Delirien der Auflösung.“ Noch vor Kriegsende war das morsche Gebäude der Donaumonarchie endgültig auseinandergebrochen. Bevor die Waffen schwiegen, hatten einzelne der neuen Nationalregierungen innerhalb der Donaumonarchie ihre Truppen von den Fronten zurückgerufen.
In Wien gab es zwar noch eine kaiserliche Regierung, die Geschicke des deutschsprachigen Restes der Monarchie lenkten aber eine provisorische Nationalversammlung und ein von ihr eingesetzter Staatsrat. Die Frage der Staatsform dieses neuen Staates „Deutsch-Österreich“ wurde am 11. November 1918 mit der Verzichterklärung Kaiser Karls und am 12. November mit einem Beschluss der Nationalversammlung zugunsten einer demokratischen Republik entschieden.





