Im Mittelalter gehörten sie in jede Kirche – so selbstverständlich wie der Altar: Marienstatuen, Heiligenbilder und andere typische katholische Kirchenkunst. Auch in Norwegen zierten diese oft bunten und prachtvoll geschmückten Kunstwerke viele Gotteshäuser. Für die Menschen damals waren diese Figuren oft nahbarer als der gestrenge Gott und daher richteten sie ihre Gebete, Fürbitten und auch Dankbarkeit meist an sie – so wie noch heute in anderen, weitgehend katholisch geprägten Regionen.
Abkehr vom katholischen Prunk
Doch in Norwegen endete dies mit der Reformation: Mit dem Protestantismus begann die Abkehr von prunkvoller Kirchenkunst, strenge Einfachheit war nun der Trend. In der Folge wurden daher in Norwegens Kirchen unzählige Skulpturen, Bildnisse und prachtvolle Kruzifixe abgenommen. Statt sie zu zerstören, lagerte man sie jedoch meist in Kellern oder anderen Räumen – ganz trennen wollte man sich von den liebgewonnenen Traditionen offenbar nicht.
Das galt vor allem für die ländlichen Regionen im Norden Norwegens, wie Margrethe Stand von der Technisch-Naturwissenschaftlichem Universität Norwegens (NTNU) in Trondheim erklärt: “An diesen Orten blieb die alte Kunst erhalten, weil die kleineren Gemeinden es sich nicht leisten konnte, sie ganz hinauszuwerfen”, erklärt die Expertin für mittelalterliche Kirchenkunst. “Außerdem hingen die Menschen dort an den bekannten Objekten und den alten Traditionen.” Über Jahrhunderte hinweg lagerten dadurch die alten Kirchenschätze in diesen Gemeinden – vergessen, aber gleichzeitig vor Zerstörung und dem Verblassen geschützt.
Weggepackt – und dadurch erhalten
Damit trug paradoxerweise gerade die Reformation und das Abnehmen der katholischen Kirchenkunst dazu bei, diese Schätze bis heute zu erhalten. Viele der alten Kirchenkunstwerke wurden erst im 19. Jahrhundert wiedergefunden und in die Sammlungen der Museen gebracht. Dort blieben sie weitere Jahrzehnte fast vergessen, bis Stang und ihre Kollegen sie nun nach und nach wieder zutage fördern und näher untersuchen.
Wie sie feststellten, sind die Farben vieler mittelalterliche Kunstwerke verblüffend gut erhalten. Das mache diese Kirchenschätze einzigartig, so Stang. “In den katholischen Ländern sind natürlich auch viele Figuren von Heiligen und mittelalterliche Madonnen erhalten”, sagt die Historikerin. “Aber diese wurden kontinuierliche genutzt und daher schon mehrfach repariert und restauriert. Im Gegensatz dazu sind viele der mittelalterlichen Skulpturen in Norwegen noch intakt und im Originalzustand.”





