Bücher Analyse einer Umbruchzeit Nach seiner ebenso gehaltvollen wie umfangreichen, mehr als 1000-seitigen Geschichte des Ersten Weltkriegs „Die Büchse der Pandora“ (C. H. Beck, 2014) legt der Freiburger Professor Jörn Leonhard eine noch umfangreichere Darstellung des letzten Kriegsjahres und der unmittelbaren Nachkriegsjahre vor. Eine derart voluminöse Gesamtschau in globaler Perspektive unter Heranziehung zahlloser Dokumente (darunter etwa auch private Tagebücher und Briefe) und der Auswertung der internationalen Forschung lässt sich nur mit großer Konzentration und Disziplin abfassen. Stützen konnte sich der Autor auf ein „wunderbares, ausdauerndes, verlässliches, sorgfältiges Team“ (so sein Dank an die zahlreichen Hilfskräfte). Und in dieser imposanten Textfülle (1531 Seiten) liegt sowohl das Verdienst als auch das Problem des – unter dem Strich – gelungenen Unternehmens. Eine „Globalgeschichte dieser Zeitenwende“ (so die barocke Verlagsankündigung), die alle wesentlichen europäischen und zum Teil außereuropäischen Entwicklungen zwischen 1918 und 1923 abzubilden und einzuordnen sucht, bedingt Redundanzen, Häufungen und Wiederholungen, aber auch manche (unnötigen) Pointierungen nahezu zwangsläufig. Im Einzelnen schildert Leonhard die Vorgeschichte des Kriegs seit 1916, das lange Kriegsende 1918, die revolutionären Ereignisse im Spätherbst, den Zusammenbruch und die Auflösung der imperialen Verlierermächte, die Demobilisierung der Soldaten, die Bildung der Nachfolgestaaten sowie die kolonialen Gesellschaften in Asien und Afrika. Danach werden das Wiederaufkommen der Gewalt in etlichen europäischen Nachkriegsgesellschaften bis hin zu erneuten Kriegen (vor allem in Ostmitteleuropa), das Schicksal der Kriegsund Nachkriegsflüchtlinge sowie die Pariser Friedenskonferenz mit ihren fünf Vorort-Verträgen (mit
besonderem Augenmerk auf den Deutschland betreffenden Versailler Vertrag), deren Revisionen und Auswirkungen und schließlich das Ringen um eine dauerhafte Nachkriegsordnung geschildert. Jörn Leonhards Meistererzählung vom Ende des Großen Krieges, von den Fortsetzungen und Erbschaften dieses weltweit
Jörn Leonhard, Der überforderte Frieden. Versailles und die Welt 1918 –1923. Verlag C. H. Beck, München 2018, 1531 Seiten, € 39,95.
geführten industrialisierten Massenkriegs sowie den nicht erreichten Friedensschlüssen und den Neuordnungsprojekten ist ein wichtiges Werk. Es schildert anschaulich und nachvollziehbar, warum der Frieden von 1918/19 nicht gelingen konnte, er schlicht „überfordert“ war. Auch wenn Geschichte sich nicht wiederholt und einfache Analogien sich verbieten, trägt die Lektüre dieses Buches etliches zum Verständnis unserer Gegenwart bei. Prof. Dr. Gerhard Hirschfeld
Mandela: Rebell oder Politiker? Nelson Mandela, der große Mann der südafrikanischen Geschichte, der seit den späten 1940er Jahren bis in die jüngste Vergangenheit hinein bedeutungsvolle Rollen spielte, wurde 1918 geboren. Pünktlich 100 Jahre später ist eine Mandela-Biographie auf den Markt gekommen. Vollmundig wird sie als „eine umfassend recherchierte und fesselnd zu lesende Biographie“, gar als „die erste umfassend recherchierte Biographie in deutscher Sprache“ angepriesen. Wer zu diesem Buch mit derart





