Lange Zeit hatte der französische Hof keine feste Residenz. Der König residierte im Louvre, in den Tuilerien, dann wieder kurzzeitig in Saint-Germain-en-Laye, Vincennes oder Fontainebleau. Ludwig XIV. aber mochte Paris nicht und misstraute den Parisern, fürchtete Aufstände und eine Rebellion des Adels. Versailles jedoch liebte er, weswegen er um 1677 plante, Versailles zur neuen, dauerhaften Residenz und damit wenigstens de facto zur Hauptstadt des Reichs zu machen. In Versailles hatte sein Vater eine Jagd- und Sommerresidenz errichtet, die nun zum Kerngebäude der gewaltigen Schlossanlage wurde, die Ludwig XIV. errichten ließ. Am 6. Mai 1682 schließlich verlegte er seinen Sitz offiziell nach Versailles und machte es zur prunkvollen Bühne seines Sonnenkönigtums. Dem König folgte nämlich nicht nur der gesamte Regierungsapparat. Jeder Adlige, der Karriere machen wollte, war praktisch gezwungen, es ihm gleichzutun. Ludwig XIV. hatte die Höflinge auf diese Weise im Blick, wies ihnen in der Inszenierung um seine Person ihre Rolle zu, beschäftigte sie mit einem Hofleben reich an Musik und Theater und brauchte so Intrige und Aufstand nicht zu fürchten. Zwar war 1682 die Schlossanlage noch nicht fertig; jahrelang arbeiteten über 35 000 Arbeiter weiter an den Gebäuden und Parkanlagen. Doch von 1682 an zogen gut 5000 Höflinge nach Versailles, wo sich bald ein höfisches Leben entfaltete, das in ganz Europa nachgeahmt wurde.





