Es ist ein höchst prosaischer Neubau in der Dortmunder Fußgängerzone, in dem das Apotheken-Museum residiert. Hinter der gläsernen Eingangstür in der vierten Etage aber beginnt die Zeitreise: Historische Verkaufsräume, ganze Labors, Vorratsräume, kunstvoll gestaltete Aufbewahrungsgefäße und hölzerne Giftschränke – die abenteuerliche Vergangenheit der Apotheke hat man hier buchstäblich begehbar und be-greif-bar vor sich.
Es war die Begeisterung für die Pharmazie, die den Wittener Medikamentenhersteller Julius Ausbüttel vor 75 Jahren dazu trieb, erste historische Gegenstände zusammenzutragen. Standgefäße für pharmazeutische Substanzen, Mörser zum Zerkleinern, Maschinen zur Herstellung von Tabletten oder Salben – was damals bei der Modernisierung von Apotheken häufig auf den Müll wanderte, das begann Ausbüttel zu sammeln. Er verlieh es an Apotheker, die damit den einen oder anderen nostalgischen Akzent in ihrem Schaufenster setzen wollten.
Die Familie Ausbüttel ist heute eine Apothekerdynastie in Dortmund, und es war Julius’ Sohn Hermann, auf den die Leidenschaft des Vaters überging: Hermann Ausbüttel begann gemeinsam mit seiner Ehefrau Ursula, den Bestand auszubauen. Heute umfasst er über 15 000 Stücke von der Antike bis ins 20. Jahrhundert – die größte private Sammlung dieser Art in Deutschland und eine der größten in Europa.
Im Jahre 2000 dann tat Ausbüttel den großen Schritt: Er richtete in den Tiefkellerräumen seiner damaligen Apotheke ein Museum ein. Nach dem Umzug in den besagten Neubau wurde es erweitert und umfasst nun 13 Räume mit einer Fläche von 300 Quadratmetern.
Den roten Faden bilden die klassischen Orte, an denen eine Apothekerin oder ein Apotheker vor 70 oder auch 170 Jahren wirkte: zunächst die Offizin, der eigentliche Verkaufsraum. Gleich mehrere komplette Einrichtungen konnte das Museum mit der Zeit übernehmen: Wandhohe, etliche Meter lange Regale aus dunklem Holz mit Hunderten Gefäßen prägen die 140 Jahre alte Offizin der Remscheider Löwen-Apotheke, die den Museumsbesucher empfängt – davor die Verkaufstheke mit historischer Waage und Registrierkasse.
Auf der Theke, in den Regalen und Schubladen stehen und liegen Utensilien, wie sie vor Jahrzehnten zum Alltag der Apotheke gehörten. Noch massiver und weitläufiger steht einige Räume weiter die Offizin der Viktoria-Apotheke aus Wuppertal von 1864. Auch sie wirkt, als sei gerade noch in ihr gearbeitet worden.





