Bis zur massenhaften Nutzung der Fotografie seit etwa 1860/1870 spielten andere Medien die Hauptrolle in der Verbreitung von Bildern. Dies waren vor allem die Lithographie sowie der Stahlstich. In Europa war Hamburg sogar ein Zentrum der Lithographie, wirkten hier doch seit etwa 1830 zeitgleich Künstler, die dieses Druckverfahren auf Steinen meisterhaft beherrschten. Zu ihnen gehörten Mitglieder der Familie Speckter, die Gebrüder Suhr und der bald auch als Fotograf tätige Charles Fuchs (1803–1874). Die rasche Perfektionierung der Steindrucktechnik führte zu hoher Nachfrage, die über Jahrzehnte ein profitables Geschäft ermöglichte. Es war vor allem die Lithographie, die das Hamburg-Bild des 19. Jahrhunderts bis weit in dessen zweite Hälfte hinein bestimmte. Sie hatte den Vorteil, dass sowohl farbenprächtige Bilder als auch kostengünstige Schwarz-Weiß-Bilder angeboten werden konnten.
Um welche Motive handelte es sich dabei? Zum einen waren es Bilder, die die Folgen der in Hamburg erst 1814 endenden Franzosenzeit dokumentierten. Sie war mit Zerstörungen und umfassenden Beschädigungen im Stadtraum einhergegangen und löste in breiten Kreisen der Bevölkerung schmerzlich empfundene Verlustgefühle aus. Bilder der wichtigsten Gebäude und Plätze sollten hier Ersatz schaffen. Zudem etablierte sich im Bürgertum nach und nach ein historisches Bewusstsein für den eigenen Stadtstaat, verbunden mit Patriotismus im Geist der Aufklärung.





