Zum 300. Geburtstag Friedrichs des Großen sind eine Fülle von Büchern erschienen. Leider sind darunter nur wenige Quelleneditionen. Eine sehr interessante Ausnahme bildet diese Auswahl erstmals übersetzter Briefe von Friedrich II. und Luise Dorothea von Sachsen-Gotha. In diesem Briefwechsel werden nicht nur Freundlichkeiten im Gewand höfisch-galanten Scherzens ausgetauscht, Neuerscheinungen großer französischer Aufklärer wie Voltaire oder Rousseau kommentiert oder rückständig-pedantische deutsche Theologen und Gelehrte bespöttelt. Auch der Politik kommt in dem Briefwechsel eine besondere Bedeutung zu. So bewahrt die Militärmaschine der neuen europäischen Großmacht im Siebenjährigen Krieg das ohnmächtige Herzogtum vor dem Schlimmsten, erhält aber dafür zum Unterhalt dieser Maschine thüringische Landeskinder als Kanonenfutter. Die Balance dieses Ausgleichs schaffen “Cousin” und “Cousine”, wie sie einander titulieren, mit bewundernswerter Eleganz. Bei aller Eleganz freilich, mit der sie sich ihre Toleranz, Vorurteilsfreiheit und Aufgeklärtheit bescheinigen, sprechen Sie der Masse des Volkes doch entschieden die Teilhabe an solcherart Aufklärung ab. Denn “Vorurteile bilden die Vernunft des Volkes”, ist Friedrich überzeugt, und Luise Dorothea teilt durchaus seine Bedenken, ob es denn “dieses dumme Volk” verdiene, “aufgeklärt zu werden”.
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