Den Schwerpunkt der Ausstellung bilden Landschaftsmotive. Sie beginnt mit einigen Arbeiten französischer Künstler wie Claude Lorrain, Hubert Robert und Jean-Honoré Fragonard. Die jungen Stipendiaten der französischen Akademie in Rom durchstreiften die Campagna in der Nachfolge Lorrains, um zu zeichnen. Künstler wie Fragonard suchten nicht die unberührte, sondern die kultivierte Natur in Form von Parklandschaften, die sich als Kulisse für amouröse und gesellige Szenen eignete. Den französischen Werken werden Arbeiten von deutschen Künstlern wie Jakob Philipp Hackert, Wilhelm Friedrich Gmelin und Joseph Anton Koch gegenübergestellt, für die Italien vor allem aufgrund seiner historischen Dimension und seiner geschichtsträchtigen Stätten zum einzigartigen Anziehungspunkt wurde. Ihnen fehlte das Sammelbecken einer Akademie, doch knüpften sie vereinzelt Kontakte zu ihren Kollegen aus Frankreich und gründeten eigene Zirkel, in denen sie Ideen austauschten.
Angeregt durch naturwissenschaftliche Forschungen, interessierte die Natur in der Vielfalt ihrer Erscheinungen. Wasserfälle, Grotten und Felsmassive gehörten zu den bevorzugten Motiven, die man auf ausführlichen Wanderungen vor Ort studierte. Aus einzelnen Versatzstücken wurden Landschaften komponiert, die ein harmonisches und ideales Ganzes bilden sollten. Eine Reihe von Druckgraphiken – die „Mahlerisch radierten Prospecte“ – zeugt davon, wie beliebt diese Sujets waren und wie weit sie verbreitet wurden.
Parallel zur Beschäftigung mit der Landschaft und der Antike ließen sich die Künstler im Umfeld der Nazarener von der Malerei der italienischen Frührenaissance inspirieren. In großformatigen Kartons, die als Entwürfe für Fresken dienten und nur wenige Jahre vor der Eröffnung der Kunsthalle erworben wurden, widmeten sich Künstler, unter ihnen Julius Schnorr von Carolsfeld, literarischen Themen wie den großen Epen des Ariost. Zugleich wandten sie sich verstärkt christlichen Motiven zu und schufen verinnerlichte, tief religiöse Kompositionen, die mit Werken von Marie Ellenrieder und Johann Friedrich Overbeck bei-spielhaft vertreten sind.
In den zwanziger und dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts veränderte sich der Blick auf die Natur. Die Aquarelle, Ölstudien und Zeichnungen von Carl Blechen oder Ernst Fries spiegeln die Auseinandersetzung mit der Vielfalt der Natur und die Suche nach einer malerischen Umsetzung des südlichen Lichtes. Dabei faszinierte ein knorriger Baumstamm ebenso wie die Ruine eines antiken Tempels oder eine dramatische Schlucht von Carl Blechen („Blick auf das Kloster Santa Scolastica bei Subiaco“, 1832). Mit Bleistift, in Aquarell oder auch in Öl werden die Eindrücke unmittelbar vor dem Motiv festgehalten. Derartige Studien – beispielsweise auf Capri – werden für Ernst Fries ebenso wie für seinen französischen Kol-legen Camille Corot, dem er in Italien begegnete, zum Ausgangspunkt späterer, nach der Rückkehr entstandener Werke.





