Der 100. Todestag der Kaiserin Victoria (1840–1901), Tochter der gleichnamigen englischen Königin und Gemahlin des „99-Tage-Kaisers” Friedrich III., bildete im vergangenen Jahr vielerorts den Anlass, sich mit der gleichermaßen faszinierenden wie umstrittenen Monarchin auseinander zu setzen. So wurde auch in Kronberg/Taunus, dem Witwensitz der Kaiserin, durch die Hessische Hausstiftung ein Symposium organisiert, auf der internationale Wissenschaftler das vielseitige Leben und Wirken Victorias in ihrem politischen und sozialen Kontext untersuchten. In dem von Prinz Rainer von Hessen herausgegebenen und mit einer Einleitung versehenen Band liegen nun in elf Beiträgen ausgewählter Referenten Ergebnisse dieser Veranstaltung vor. Das Spektrum reicht dabei von der Betrachtung der ausgeprägten Familienpolitik des Hauses Sachsen-Coburg durch den englischen Politik- und Finanzhistoriker Niall Ferguson über Victorias Rolle in der so genannten „Battenberg-Affäre” durch die in Florida lehrende Patricia Kollander bis zu ihrer Bedeutung für die deutsche Frauenbewegung in der Darstellung der Frankfurter Soziologin Margit Götter. Obgleich einzelne Aspekte, wie zum Beispiel Victorias politische Zielsetzungen im Beitrag ihrer Biographin Hannah Pakula oder ihre kritisches Verhältnis zu Bismarck und ihrem Sohn Wilhelm II. bei Michael Epkenhans bzw. John C. G. Röhl bereits in umfassenderen Abhandlungen behandelt wurden, bietet der vorliegende Sammelband einen facettenreichen und zugleich tiefschürfenden Einblick in die Vielschichtigkeit einer bemerkenswerten Frau und ihrer Epoche.
Rezension: Ulrich Feldhahn





