Woran erinnern Sie sich besonders?
58 Geiselnahme in Wien
Während einer Konferenz der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) stürmen sechs Terroristen am 21. Dezember 1975 das OPEC-Gebäude in Wien. Drei Menschen werden getötet, etwa 70, darunter elf Erdölminister, geraten in die Gewalt der Terroristen. Deren Forderungen: Einheit der arabischen Staaten, ein Ende der Friedenspolitik gegenüber Israel, Nationalisierung des Erdöls, werden im österreichischen Rundfunk übertragen. Bundeskanzler Bruno Kreisky erreicht schließlich die Freilassung der in Österreich lebenden Geiseln – dafür dürfen die Terroristen mit einem Flugzeug und den restlichen 33 Geiseln nach Algerien und Libyen fliehen. In Etappen lassen sie ihre Geiseln frei. Die PLO distanziert sich von dem Überfall, hinter dem Libyens Staatschef Gaddafi vermutet wird.
59 Der Name der Rose
Es wird der erste Welterfolg des italienischen Philosophen Umberto Eco: 1980 erscheint sein Kriminalroman „Der Name der Rose“. Es geht um rätselhafte Morde in einer Benediktinerabtei des 14. Jahrhunderts. Bei deren Aufklärung geraten der Franziskanermönch William von Baskerville und sein Gefährte Adson von Melk in eine Welt widerstreitender Glaubenssysteme und vermeintlicher Häresien und sehen sich kriminellen Machenschaften um ein geheimes Buch gegenüber. Eco vermischt gekonnt historische und fiktive Personen, deren Namen nicht zufällig an die Sherlock-Holmes-Romane Arthur Conan Doyles erinnern. Von Publikum und Kritikern gefeiert wird auch die Verfilmung des Buchs mit Sean Connery in der Hauptrolle.
60 Der Historikerstreit
Am 6. Juni 1986 veröffentlicht der Historiker Ernst Nolte in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ einen Artikel, in dem er die nationalsozialistischen Verbrechen in den Zusammenhang der europäischen Geschichte der 1920er und 30er Jahre stellt und behauptet: Der bolschewistische Terror sei dem nationalsozialistischen „logisch und faktisch“ vorausgegangen, und die NS-Verbrechen seien eine Reaktion darauf gewesen. Monatelang tobt eine vehemente Debatte zwischen Befürwortern und Gegnern der Nolte’schen Position. Im Zentrum steht anfangs die Frage nach der Einzigartigkeit der „Endlösung der Judenfrage“, vor allem aber nach einem ursächlichen Zusammenhang zwischen nationalsozialistischen und bolschewistischen Morden. Eberhard Jäckel etwa bezweifelt entschieden, dass Hitlers Entschluss zum Mord an den europäischen Juden durch Vernichtungsängste ausgelöst worden sei, die Sowjetrussland bei ihm verursacht habe.
In einer zweiten Argumentationsschiene wirft man Nolte und seinen wenigen Unterstützern, die auf der Vergleichbarkeit der Genozide im 20. Jahrhundert bestehen, vor, die deutsche Vergangenheit zu verharmlosen (Jürgen Habermas) bzw. durch die Eingemeindung in die „Verbrechen aller Jahrtausende“ die Bundesrepublik wieder zu einem normalen Staat machen zu wollen (Rudolf Augstein).





