Agent Orange war der Codename für ein Ende der 1960er Jahre im Vietnamkrieg eingesetztes Entlaubungsmittel. Das aus zwei Komponenten bestehende Herbizid brachte Bäume und Pflanzen dazu, ihre Blätter abzuwerfen – so wollten die US-Streitkräfte den feindlichen Vietkong ihre Deckung nehmen und die Zivilbevölkerung aus den Dörfern vertreiben. Denn der Vietkong nutzte den Schutz des Regenwalds, um mittels Guerilla-Taktik gegen die US-Truppen und ihre Stützpunkte vorzugehen.
Agent Orange und das Dioxin
Im Laufe des Vietnamkrieges versprühten die US-Streitkräfte 80 Millionen Liter Agent Orange über Vietnam, wie Kenneth Ray Olson von der University of Illinois erklärt. Besonders stark und mehrfach wiederholt wurde das Mittel im Süden des Landes eingesetzt, wo die Vietkong mit ihrem Ho-Chi-Minh-Pfad ein dichtes System aus Tunneln und versteckten Pfaden konstruiert hatten, durch das sie ungesehen aus dem benachbarten Kambodscha nach Vietnam gelangen konnten.
“Agent Orange hatte eine kurze Halbwertszeit und wurde schnell abgebaut. Dadurch blieb es nur über wenige Tage bis maximal einige Wochen für die Pflanzen giftig”, erklären Olson und seine Kollegin Lois Wright Morton von der Iowa State University. “Es wurden daher wiederholte Anwendungen nötig, weil die Vegetation nachwuchs.” Doch was damals keiner ahnte: Bei der Produktion des Herbizids hatte sich ein auch für Menschen hochtoxisches Gift gebildet: 2,3,7,8-Tetrachlorodibenzodioxin, kurz TCDD. “TCDD ist das giftigste aller Dioxine und dioxinähnlicher Verbindungen”, sagen die Forscher. Es gilt als hochgradig krebserregend und kann zu Missbildungen und Unfruchtbarkeit führen.
Nach Schätzungen von US-Forschern wurden während des Vietnamkrieges zwischen 110 und 180 Kilogramm TCDD in Südvietnam freigesetzt. “Zwischen 1962 und 1971 wurden mehr als 20 Prozent der südvietnamesischen Wälder ein oder mehrmals gespritzt, dazu kamen rund zehn Millionen Hektar landwirtschaftliches Gebiet”, berichten die Forscher. “Als Folge lagen die Dioxinwerte in Böden und Gewässern mehrere hundertmal über den TCDD-Werten, die damals noch als sicher galten.” Dazu kamen Freisetzungen von Agent Organe und damit auch Dioxin durch Lecks in den Behältern, die vor allem im US-Stützpunkt Bien Hoa gelagert und in die Spritzhubschrauer und -flugzeuge umgefüllt wurden.
Hochgradig verseucht
Doch wie viel Dioxin ist heute noch in Böden und Gewässern Vietnams enthalten? “Die bisher existierende Forschung zu Agent Orange und Dioxin hat sich vor allem auf die medizinischen Aspekte konzentriert, unter anderem auf die Spätfolgen für US-Soldaten und Bevölkerung”, sagt Olson. “Wir wollten wissen, wie stark das Dioxin bis heute in den Böden, dem Wasser und in der Nahrungskette vorhanden ist und wie es die natürlichen Ressourcen Vietnams kontaminiert.” Dafür werteten die Forscher umfangreiche Dokumente und Berichte der US-Armee und von der Hilfsorganisation US-Aid aus.





