Moses Maimonides wurde 1135 als Sohn eines jüdischen Rabbiners in der damals unter maurischer Herrschaft stehenden Stadt Cordoba in Spanien geboren. Nachdem dort wenig später der Druck auf jüdische Bewohner wuchs, zum Islam überzutreten, floh Maimonides Familie in den Nahen Osten. Dort erhielt Maimonides durch jüdische und arabische Lehrer eine fundierte Ausbildung in jüdischer Theologie, Rechtswissenschaften, Philosophie und Medizin. Ab 1165 lebte und arbeitete Maimonides als Gelehrter und Arzt in Kairo und verfasste zahlreiche wissenschaftliche und religionstheoretische Schriften. Diese legten die Grundlagen jüdischer Philosophie und beeinflussten auch Gelehrte wie Isaac Newton und Thomas von Aquin.
Historische Zeitzeugen aus der Geniza von Kairo
Jetzt haben Wissenschaftler das Fragment eines zuvor unbekannten handschriftlichen Textes von Maimonides entdeckt. Das mehr als 800 Jahre alte Stück Papier war Teil der Cairo-Genizah-Sammlung. Diese umfasst mehr als 200.000 Textfragmente, die vom 9. bis 19. Jahrhundert in Ägypten und dem Nahen Osten verfasst wurden. Weil auf vielen dieser vorwiegend jüdischen Manuskripte der Name Gottes vorkam, galten diese Papiere damals als zu heilig, um einfach entsorgt zu werden. Deshalb bewahrte sie die jüdische Gemeinde von Fustat – einem alten Teil Kairos, in dem auch Maimonides lebte – in einer sogenannten Geniza auf. Dabei handelte es sich um einen speziellen Lagerraum in der Synagoge.
Als diese Geniza im späten 19. Jahrhundert wiederentdeckt und geöffnet wurde, fanden sich darin neben Bibeln, Gebetbüchern und jüdischen Gesetzestexten auch tausende von Manuskripten ganz unterschiedlicher Herkunft und Inhalte. Die Spanne reichte von arabischen Fabeln und islamischen Philosophieabhandlungen über medizinische Lehrtexte, Heiratsverträge und Einkaufslisten bis hin zu gekrakelten Alphabetübungen eines Kindes. Auch rund 60 Textfragmente von Maimonides wurden bereits unter diesen Manuskripten entdeckt. Die meisten von ihnen hatte der Gelehrte im Judäo-Arabischen verfasst, bei der er arabische Sätze und Wörter mit hebräischen Schriftzeichen notierte.
Listen in Maimonides Handschrift
Bei der Untersuchung verschiedener Manuskripte der Cairo-Genizah-Sammlung hat nun José Martínez Delgado von der Universität Granada einige Fragmente entdeckt, die im romanischen Dialekt verfasst waren – einer noch eng am Lateinischen angelehnten Vorform des Spanischen. “Etwas an der Handschrift in diesen Fragmenten erschien mir jedoch vertraut”, berichtet Delgado. “Schließlich wurde mir klar, warum: Ich hatte diese Handschrift schon einmal gesehen.” Nähere Vergleichsanalysen ergaben: Diese Textfragmente mussten von Maimonides verfasst worden sein. Ungewöhnlich war jedoch, dass er dabei neben arabischen Sätzen und Wörtern auch die romanische Sprache nutzte.





