“Unsere Volkspolizei”: Unter dieser Losung porträtierte ein Bildband aus dem Jahr 1965 den Musterpolizisten des Sozialismus: aufmerksam, wachsam und wirksam, ebenso einsatzfreudig wie einsatzkräftig, freilich immer auch Repräsentant der neuen Staatsmacht, und stets der verlängerte Arm der Partei vor Ort. Wer die Studie zur Geschichte der Volkspolizei von Thomas Lindenberger mit diesem propagandistischen Ideal kontrastiert, vermag manche Übereinstimmung zu entdecken. Die Volks-Polizei war tatsächlich eine Polizei aus dem Volk. 1949 entstammten 83 Prozent der Polizisten der Arbeiterklasse und 86 Prozent gehörten der SED an. Diese Soziologie verweist auf die Crux in den frühen Jahren: Überwiegend ungeschulte, bloß durch ihre soziale Herkunft legitimierte Angehörige dieser militärisch organisierten Truppe sahen sich selbst lediglich als “Gelegenheitspolizisten” – und quittierten vielfach ihren Dienst. Erst in den sechziger Jahren gelang eine begrenzte Modernisierung und Professionalisierung im Sinne eines “schöpferischen Organs” des Sozialismus. Die Volkspolizei war freilich niemals eine Polizei für das Volk, auch wenn es den “bürgernahen” “Abschnittbevollmächtigten” gab. Sie war immer eine Polizei der Partei. Der Schutz der Bürgerrechte war nicht ihre Aufgabe. Der Autor argumentiert gleichwohl mit Recht, daß es nicht die Institution der Volkspolizei sein kann, deretwegen der Arbeiter-und-Bauern-Staat als ein “Polizeistaat” gelten muß. Mit dem umfänglichen Band liegt eine gut gelungene erste Gesellschaftsgeschichte des sozialistischen Polizeiwesens vor.
Rezension: Gries, Rainer





