Es ist deshalb sehr zu begrüßen, wenn sich ein Kundiger iranischer Abstammung der Aufgabe widmet, die Geschichte seiner Heimat von den Edomitern bis zu Ahmadinedschad im Zusammenhang darzustellen. Die Schilderung aus persischer Perspektive birgt die Möglichkeit, ein nicht nur auf Vorurteilen beruhendes Verständnis des politischen und kulturellen Lebens Persiens zu erhalten. Das Buch ist vorbildlich illustriert, und die Bilder dienen dazu, seine Grundlinie von dem einen, Jahrtausende überdauernden Persertum in all seiner überragenden künstlerischen Begabung vor Augen zu führen.
Ein Durchgang durch mehrere Jahrtausende einer reichen Geschichte und Kultur auf den Seiten eines einzigen Buches zwingt notgedrungen zu vereinfachenden Formulierungen oft hochkomplexer Gegebenheiten. Meist gelingt dies dem Verfasser, doch manchmal geht er vielleicht zu weit in der verkürzenden Interpretation aus heutiger Sicht. So kann der Rezensent seine Sicht der Mutatiliten am Abbasiden-Hof von Bagdad nicht teilen. Die Mutatiliten (Vertreter der ältesten spekulativen Glaubenslehre der Sunniten) glaubten nicht, dass „der Prophet den Koran geschrieben habe“, sondern dass das Heilige Buch von Gott geschaffen sei, wie andere Teile der Schöpfung. Sie standen damit im Gegensatz zum Dogma der Mehrheit der Sunniten, nach dem der Koran ungeschaffen sei, „co-etern“ mit Gott, in seiner überirdischen Urform in ihm und mit ihm bestehend.
Die Auffassung der Mutazila ist heute wieder ins Zentrum der innerislamischen Diskus-sion gerückt, weil ein als Teil der Schöpfung verstandener Koran der Zeit untersteht und daher historisiert, von seiner Zeit her verstanden und ausgelegt werden müsste.
Das chronologische Erzählen hilft, den Überblick über den Gesamtablauf zu bewahren. Doch die untergründigen Verbindungen zwischen den verschiedenen Ausprägungen des Persertums über die Epochen wechselnder Herrschaften hinweg kommen doch weniger zur Geltung. Für den inneren Zusammenhang zwischen den Religionen Persiens zum Beispiel muss man deshalb auf andere Werke, etwa auf die des italienischen Orientalisten Alessandro Bausani, zurückgreifen (auf Deutsch liegt vor: Alessandro Bausani/Barbara von Palombini, Die Perser. Stuttgart 1965).
Rezension: Hottinger, Arnold





