Der Gesandte repräsentierte seinen Herrn und musste dementsprechend behandelt werden, auch bezüglich der Geschenke. Deren Übergabe erfolgte in einem öffentlichen Zeremoniell beim Abschied eines Diplomaten, und zwar, damit dieser nicht in den Verdacht der Bestechung geriet. Zwar war der Geschenkwert durch den Rang der beteiligten Höfe bestimmt, konnte zunächst aber variieren, je nachdem, für wie wertvoll man die Dienste des Gesandten hielt oder welche politischen Absichten man verfolgte.
Lange dominierten Sachgeschenke wie Schmuckstücke, Kunstgegenstände oder Porträts. Ein Geschenk konnte symbolische Funktion haben, etwa, wenn Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1640 – 1688) aus Bernstein gefertigte Gegenstände verschenkte, um damit zugleich seinen Territorialanspruch auf das Herzogtum Preußen zu betonen, woher der Bernstein stammte.
Später wurden oft an Diplomaten unterer Ränge Geldgeschenke übergeben, was die Vergleichbarkeit vereinfachte. Durch die Verpackung wurde das Geschenk persönlicher gestaltet; auch politische Botschaften waren möglich, etwa wenn von 1701 an ein rotsamtener Beutel mit dem aufgestickten Wappen und Namen Friedrichs I. auf dessen Rangerhöhung vom Kurfürsten zum preußischen König hinwies.
Dieser Kronerwerb machte ohnehin eine Neuregelung des Gesandtschaftszeremoniells nötig. Es wurden nun einheitliche Werte für Geschenke festgelegt, wobei sich der neue König als besonders spendabel erwies, denn er wollte im Konzert der Mächtigen akzeptiert werden und sich mit der Tugend der Freigebigkeit schmücken.
Als sein sparsamer Nachfolger, der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., 1725 kurzerhand die Geschenke für Diplomaten ganz streichen wollte, entfesselte er einen Sturm der Entrüstung. Als Erster sollte der schwedische Gesandte leer ausgehen, wogegen nicht nur der schwedische König protestierte, sondern auch die russische Zarin, die ernste Verwerfungen zwischen den beiden Ländern befürchtete. Der Soldatenkönig musste klein beigeben. Auch er konnte es sich nicht erlauben, die Regeln diplomatischen Zeremoniells zu ignorieren, wenn ihm die Reputation seines Hauses und seine Stellung in Europa wichtig waren.
Autorin: Dr. Heike Talkenberger





