Das Winterhilfswerk (WHW) stand ganz im Dienst der damals ideologisch aufgeladenen Vorstellungen von Volk und Gleichheit. Im Winter wurde die Bevölkerung dazu aufgerufen, Geld- und Sachspenden zur Verfügung zu stellen, mit denen das Hilfswerk bedürftige Mitbürger versorgen konnte. Keine Hoffnung auf Hilfe konnten sich allerdings Juden, Behinderte oder politisch Verdächtige machen. Dass den umfangreichen und nicht folgenlos zu umgehenden Spendenaktionen durchaus ein konkretes finanzielles Motiv zugrunde lag, blieb auch den Zeitgenossen nicht versteckt. Dadurch, dass die Spenden aus der Bevölkerung die staatlichen Hilfsleistungen ersetzten anstatt zu ergänzen, bot die finanzielle Einsparung dem Staat die Möglichkeit, in andere Projekte wie in die Rüstungsindustrie und Waffenproduktion zu investieren. Dies führte im Volksmund zu neuen Auflösungen der Abkürzung WHW. Aus dem Winterhilfswerk wurde beispielsweise „Waffenhilfswerk“. Außerdem führte man die sogenannten „Eintopfsonntage“ ein: In allen deutschen Haushalten sollte an bestimmten Sonntagen Eintopf gekocht und gegessen werden. Das für ein üppigeres Sonntagsessen gesparte Geld musste an das Winterhilfswerk abgegeben werden. Auch dies sollte zu einem stärkeren Zusammengehörigkeitsgefühl beitragen.
In der 1925 gegründeten Reichs-Rundfunk-Gesellschaft begann man nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten unverzüglich mit der Massenproduktion der sogenannten Volksempfänger. Das mit einem Preis von 75 Reichsmark auch für ärmere Schichten erschwingliche Radiogerät entwickelte sich in kürzester Zeit zu einem der effektivsten Medien für die Verbreitung der nationalsozialistischen Propaganda. So konnte erreicht werden, dass die Hörerzahl von 4,2 Millionen im Jahr 1932 auf 12,5 Millionen sieben Jahre später 1939 anstieg. 1935 wurde sogar der Start eines Fernsehprogramms verkündet. Da die Fernsehgeräte aber mit 2.500 Reichsmark für viele zu teuer waren, entwickelte man den „Deutscher Einheitsempfänger“ (E 1) zum Preis von 750 Reichsmark. Gerade der Werdegang der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft verdeutlicht, wie geschickt das NS-Regime die neusten Technologien für seine Propagandazwecke nutzte und weiterentwickelte.
Nicht nur scheinbar freiwillige Armenfürsorge und neuste Medientechnik, auch die Freizeitgestaltung der Deutschen wurde von den Nationalsozialisten kontrolliert. Bis heute prägend ist dafür der Begriff „Kraft durch Freude“ (KdF). Als Unterabteilung der Deutschen Arbeitsfront organisierte die Gesellschaft zahlreiche Nah- und Fernreisen, aber auch andere Freizeitangebote wie Schwimm-, Näh- und Bastelkurse für die Arbeiterschaft. 1938 dann erfolgte die Grundsteinlegung des riesigen Volkswagenwerkes bei Fallersleben im heutigen Wolfsburg. Für 990 Reichsmark sollten sich möglichst viele deutsche Arbeiter ein Auto leisten können. Als Finanzierungsangebot wurde eigens ein Anspar-Programm entworfen. Doch die rund 300.000 Sparer hofften vergebens auf ihren Volkswagen. Als der Krieg ausbrach, wurden andere Prioritäten gesetzt. Weder der KdF-Wagen aus der Volkswagenfabrik noch der Deutsche Einheitsempfänger konnten in Massenherstellung gefertigt und ausgeliefert werden, da die Produktionsstätten für die Rüstungsindustrie benötigt wurden.





