Als „Donauschwaben“ werden die Nachfahren deutschsprachiger Siedler (keineswegs nur aus Schwaben) bezeichnet, die, obrigkeitlich gefördert, im 18. Jahrhundert ins damalige Königreich Ungarn auswanderten. Berühmt geworden ist die „Ulmer Schachtel“, das Einweg-Boot, mit dem sich die Ausreisewilligen auf die Donau wagten.
In 13 Abteilungen erzählt die Schau über die Donauschwaben vom Verlassen der Heimat, vom Alltag und dem kulturellen Austausch mit den Nachbarn, schließlich dann von Flucht, Vertreibung und Deportation während des Zweiten Weltkriegs und nach 1945. Zwischen 2018 und 2022 wurde der Ausstellungsbereich „Donauschwaben. Aufbruch und Begegnung“ aktualisiert, dazu die neue Dauerausstellung „Donau. Flussgeschichten“ eingerichtet.
Am Anfang treffen wir auf Stelen, die jeweils ein Auswandererschicksal erzählen, etwa das der Ulmerin Anna Maria Scheiffelin, die mit ihrem Mann 1786 nach Ungarn auswanderte. Sechs Monate später kehrte sie nach Ulm zurück, um im Entbindungsheim ihr Kind zu bekommen. Vor der Rückkehr nach Ungarn musste sie ins Arbeitshaus, „zum Abverdienen der Entbindungskosten“.
Die deutschen Auswanderer trafen auf einen Siedlungsraum, in dem unter anderen Ungarn, Rumänen, Serben und Kroaten lebten. Für die gegenseitige Beeinflussung der Sprachen sensibilisiert eine Tafel mit „Wort-Wechseln“. Weitere Bereiche informieren über die Landwirtschaft oder die
unterstützende Funktion der Dorfgemeinschaft. In den Kornkammern Slawoniens (im heutigen Kroatien) oder im Banat brachten es nicht wenige Siedler im 19. Jahrhundert zu Wohlstand, sichtbar an den nun nicht mehr aus Lehm, sondern aus Ziegeln gebauten Häusern mit ihren Laubengängen.
Zugleich hatten jedoch viele Dorfbewohner im Lauf des 19. Jahrhunderts auf dem Land kein Auskommen mehr. Es zog sie in die aufstrebenden Industriestädte wie Buda bzw. Pest oder Temeswar oder gleich nach Amerika.
Nach dem Ersten Weltkrieg veränderte sich die politische Landkarte; donauschwäbische Siedlungsgebiete gehörten nun auch zu Rumänien und Jugoslawien, was nationalistische Spannungen förderte. Ein Großteil der Donauschwaben wandte sich nach 1933 Adolf Hitler zu: Völkische „Erneuerer“ beschworen die „Blutsbindung“ an das Deutsche Reich.
Die düstere Zeit von Flucht, Vertreibung und Deportation rund um das Kriegsende wird durch ein dunkles Labyrinth versinnbildlicht. Ein Pferdegeschirr steht für die Flucht 1944 vor der vorrückenden Roten Armee. Wer zurückblieb, wurde von November 1944 an entrechtet, interniert bzw. in die Sowjetunion verschleppt – viele verloren in den Lagern ihr Leben. Hunderttausende Donauschwaben wurden vertrieben und mussten einen schwierigen Anfang in ihrer jeweils neuen Heimat bewältigen. Am Ende steht ein Blick auf heute: Was ist von den Donauschwaben geblieben?





