Gleich zu Beginn ihrer Einführung macht sie deutlich, was das Revolutionäre an Dantes Dichtung ist: Die Schilderung von der Wanderung eines Verirrten durch die Kreise der Hölle zum Läuterungsberg und bis hinauf in den Planetenhimmel bezieht sich auf niemand anderen als Dante selbst – für das 14. Jahrhundert höchst ungewöhnlich. Es sind die eigenen Fragen, (Glaubens-)Zweifel und Erkenntnisse, die er als Dichter gestaltet, und doch spricht er damit vielen seiner Zeitgenossen aus der Seele.
Meier stellt zunächst den Autor Dante und das Florenz seiner Zeit vor, widmet sich dann den Vorläufern der „Göttlichen Komödie“, analysiert deren Jenseitsvorstellungen und begleitet im Folgenden den Wanderer Schritt für Schritt auf seinem Weg, wobei sie Textinhalt und Dichterexistenz miteinander verschränkt. Am Ende blickt sie auf die Rezeption der „Commedia“. So allgemeingültig drückt der Text menschliches Leiden und Hoffen aus, dass sich Bedrängte wie Primo Levi in Auschwitz oder Ossip Mandelstam unter stalinistischer Herrschaft von ihm getröstet fühlen konnten.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger
Franziska Meier
Dantes Göttliche Komödie
Eine Einführung
Verlag C. H. Beck, München 2018, 127 Seiten, € 9,95





