Einem ungewöhnlichen und dabei besonders aktuellen Thema widmet sich das Münchner Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne. Vor dem Hintergrund heftiger Debatten um den Wiederaufbau zerstörter historischer Gebäude zeigt die Ausstellung „Geschichte der Rekonstruktionen, Konstruktion der Geschichte“ noch bis zum 31. Oktober 85 repräsentative Fallbeispiele sowie weitere 200 Rekonstruktionen von Gebäuden aus aller Welt von der Antike bis heute – vom Tempel in Jerusalem über den Zeus-Tempel in Olympia, die „Götterbrücke“ in Nikko (Japan), dem Palast von Mandalay in Myanmar (Birma), der Altstadt von Warschau oder der Burg Dankwarderode in Braunschweig bis zur Alten Brücke in Mostar und der Dresdner Frauenkirche. Für den Wiederaufbau konnten religiöse Kontinuität, nationale Bestrebungen, ästhetische Vorstellungen oder kommerzielle Wünsche ausschlaggebend sein. Deutlich wird auch der völlig von den Gepflogenheiten des Westens abweichende Umgang mit historischer Bausubstanz im Mittleren und Fernen Osten.
In der historischen Rückschau werden anhand von Modellen, Gemälden, Plänen, Fotos und Animationen unumstrittene Rekonstruktionen (wie die des 1902 eingestürzten Campanile auf dem Markusplatz in Venedig) den heftig umkämpften gegenübergestellt. Antike-Rezeption und archäologische Rekonstruktionen finden sich ebenfalls thematisiert. Ein umfangreicher Katalog ist im Prestel Verlag, München, erschienen.





