Auch Althistoriker verstehen zu streiten. Manchmal sogar heftig und lautstark. So war es auch 1998. Der renommierte britische Altertumswissenschaftler Fergus Millar rüttelte in seinem Buch „The Crowd in Rome in the Late Republic“ („Die Masse in Rom in der späten Republik“) an den Grundfesten einer kollektiven Gewissheit. Diese Gewissheit lautete: Die römische Republik war eine Aristokratie. Die ganze Macht im Staat lag in den Händen des Adels, der Reichen, der Senatoren. Das Volk schaute zu, wie die Eliten Politik machten.
Millar überraschte die Fachwelt mit einer fundamental anderen Sicht der Dinge: Das Volk war ein wichtiger politischer Faktor. Die römische Republik war keine Aristokratie, sondern eine Demokratie. Zwar wurden die Richtlinien der Politik hinter den verschlossenen Türen des Senats bestimmt. Doch um sie durchzusetzen, bedurfte es der Zustimmung des Volkes. Alle politischen Entscheidungen fielen in der Öffentlichkeit, in informellen Versammlungen fanden überaus lebhafte Debatten statt.





