Im Jahr 476, so lernt man es in der Schule, fand das Imperium Romanum im Westen sein Ende: Dort regierte damals ein jugendlicher Kaiser namens Romulus Augustulus. Gerade 16 Jahre alt, war er tatsächlich so unbedeutend, dass ihn seine Gegner nicht einmal mehr ermordeten. Der Offizier Odoaker setzte den jungen Mann manierlich ab; er ließ ihn zwar aus der Residenz in Ravenna entfernen, wies ihm dafür aber noch eine Abfindung in Höhe von 6000 Solidi jährlich zu. Einen Nachfolger auf dem Kaiserthron gab es im Westen des Römischen Reiches nicht mehr.
Gut 1200 Kilometer weiter nordwestlich aber, in der Region um Tournai im heutigen Belgien, schickte sich zur selben Zeit ein Königssohn an, Geschichte zu schreiben: Chlodwig, der Spross des Frankenkönigs Childerich, war 476 etwa zehn Jahre alt. Bis zu seinem Tod 511 sollte er einen Großteil Galliens erobern und damit die Basis schaffen für jenes neue politische Gebilde, das als „Frankenreich“ in die Handbücher eingegangen ist.





