Zur Großmacht avancierten die Bewohner der Steppe erstmals ab etwa 200 v. Chr. : Das Reich der Xiongnu breitete sich weit über die heutige Mongolei hinaus aus und kontrollierte bis etwa 150 n. Chr. ein großes Gebiet im nördlichen Asien. Die Bedeutung dieses ersten Großreiches geht dabei aus Quellen des chinesischen Kaiserreichs hervor, das mit dem nördlichen Nachbarn oft in Konflikt geriet. Im Mittelalter brach dann erneut eine glorreiche Ära für die Steppenvölker an: Ab etwa 1200 n. Chr. eroberten die gefürchteten Reitertruppen des Dschingis Khan riesige Gebiete. Das mongolische Reich beherrschte anschließend bis etwa 1400 n. Chr. China und weite Teile des heutigen Asien.
Mysteriöse Vorgeschichte der Mongolenreiche
Was am Anfang der Entwicklung dieser Großreiche stand, gilt als unklar, denn in der Steppe blieben nur wenige Spuren erhalten, die Rückschlüsse auf die Kultur, das Wirtschaftssystem und die Ernährungsweise der ursprünglichen Reitervölker ermöglichen. Da der Anbau von Getreide nur einen geringen Teil der Lebensmittelproduktion der heutigen Mongolei ausmacht, ging man lange davon aus, dass dies auch schon früher so war. Es schien, als ob die Reiche der asiatischen Reitervölker einzigartige Beispiele für Gesellschaften waren, die eine vergleichsweise hohe Bevölkerung und komplexe politische Strukturen hervorbringen konnten, ohne intensive Landwirtschaft oder Vorratsbildung von Getreide zu benötigen. Die Ergebnisse der aktuellen Studie stellen dieses gängige Bild nun allerdings in Frage.
Um Einblick in das Leben und die Ernährung der historischen Mongolen zu bekommen, hat ein internationales Forscherteam Proben von 137 Skelettfunden aus der mongolischen Steppe untersucht. Sie decken den Zeitraum von 4400 v. Chr. bis 1300 n. Chr. ab. Die Wissenschaftler analysierten dabei das Verhältnis von stabilen Stickstoffisotopen und Kohlenstoffisotopen in Knochenkollagenen und dem Zahnschmelz der menschlichen Überreste. Anhand bestimmter Muster in den Untersuchungsergebnissen ist es möglich, Rückschlüsse auf die Ernährungsweise der damaligen Menschen zu ziehen.
Wichtiger Faktor Hirseanbau
Wie die Forscher berichten, zeichneten sich in ihren Ergebnissen deutliche Ernährungsveränderungen im Vorfeld der Entwicklung zu den mongolischen Reichen ab. Vor dieser Ära basierte die typische Ernährung eines Mongolen demnach tatsächlich auf Milch und Fleisch sowie auf geringen Mengen pflanzlicher Kost. Bei den Individuen aus der Zeit des Xiongnu-Reiches stellten die Wissenschaftler hingegen fest: Manche Mongolen dieser Zeit ernährten sich zwar noch ähnlich wie ihre Vorfahren, bei anderen bildete hingegen Hirse ein Grundnahrungsmittel. Diese Ergebnisse decken sich dabei mit einigen archäologischen Hinweisen auf eine landwirtschaftliche Produktion in der Steppe.





