Ein neuer interdisziplinärer Sammelband zeigt, dass Gräber, Grüfte und Gebeine viel darüber verraten, wie die Menschen auf den Tod blickten. Sein Fokus liegt auf der Bestattungskultur in der frühen Neuzeit. Die Epoche zwischen Reformation und Französischer Revolution ging in Europa mit tiefgreifenden Umwälzungen in Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, Kultur und Religion einher, die sich auch auf das Bestattungswesen auswirkten.
Anhand archäologischer Ausgrabungen, menschlicher Überreste, von Totenmasken und Bildquellen wie Leichenporträts entschlüsseln die Forschenden frühneuzeitliche Vorstellungen vom Tod und suchen Antworten auf ganz unterschiedliche Fragen: Was begleitete die Toten auf ihrer letzten Reise? Wie beeinflusste die Reformation Veränderungen bei den Bestattungsformen? Welche Erkenntnisse vermitteln anthropologische Untersuchungen sterblicher Überreste über die Lebensbedingungen der Menschen in der frühen Neuzeit?
Der Band nimmt auch besondere Orte in den Blick. Den Berliner Schlossplatz etwa. Was kaum jemand weiß: Unter dem Pflaster liegen Reste einer mehrfach umgebauten Klosterkirche aus dem 14. Jahrhundert sowie Gräber und Grabkammern verborgen. Seit 2008 nahmen Archäologen dort Ausgrabungen vor, die zahlreiche Spuren der 800-jährigen Geschichte preisgeben.
Dabei wurden über 750 Skelette geborgen, die vielfältige Aufschlüsse liefern, etwa über das sepulkrale Repräsentationsbedürfnis von Adelsfamilien. Spannende Funde wie Fontanellenbleche – eine bislang wenig erforschte archäologische Fundgattung – zeugen von frühneuzeitlichen medizinischen Behandlungsmethoden. Sie wurden genutzt, um Verbände zu verschließen, die der Ableitung von Wundsäften dienten.





