Die Schlacht von Waterloo am 18. Juni 1815 brachte das Ende für Napoleon Bonaparte, den selbsternannten Kaiser der Franzosen. Die alliierten Truppen unter dem britischen Duke of Wellington und dem preußischen Feldmarschall Fürst Blücher von Wahlstatt besiegten die Franzosen nach einer verlustreichen Schlacht, in der insgesamt fast 50.000 Soldaten starben. Trotz dieser enormen Opferzahlen wurden auf dem Schlachtfeld, rund 15 Kilometer südlich von Brüssel gelegen, bis heute kaum Überreste von Toten gefunden.
Amputierte Beinknochen zeugen vom Leid der Verwundeten
In diesem Sommer hat eine Gruppe von Archäologen des Projekts Waterloo Uncovered einen zuvor noch kaum erkundeten Teil des ehemaligen Schlachtfelds untersucht – ein Maisfeld bei Mont St Jean, an dem einst das größte Feldlazarett der alliierten Truppen stand. Schätzungen zufolge wurden dort während der Schlacht rund 6000 verletzte Soldaten notdürftig versorgt. “Feldlazarette wie Mont-Saint-Jean müssen einen schrecklichen Anblick geboten haben – überfüllt mit toten und sterbenden Männern”, berichten die Forscher in ihrem Blog. “In Mont St Jean wurden geschätzt rund 500 Amputationen durchgeführt, darunter auch die Amputation des Unterarms von Wellingtons Militärsekretär Fitzroy Somerset.”
Zeugnisse dieses Leidens haben die Archäologen jetzt im ehemaligen Ostgarten des zum Lazarett umfunktionierten Bauernhofs Mont St Jean entdeckt. “Während wir einige Metallstücke ausgruben, machten wir eine erstaunliche Entdeckung – einen menschlichen Beinknochen”, berichten sie. “Das ist das erste Mal, dass das Projekt Waterloo Uncovered menschliche Überreste gefunden hat – sie sind auf dem Schlachtfeld von Waterloo relativ rar.” Wenig später wurden noch drei weitere Unterschenkelknochen in der näheren Umgebung gefunden. “Ein Knochen zeigt Anzeichen einer schweren Verletzung, während an einem anderen Beinknochen die Spuren der Amputationssäge eines Chirurgen zu erkennen sind”, sagen die Archäologen. Der Arzt nahm dem verletzten Soldaten demnach das Bein knapp oberhalb des Knies ab.

Kartätsche aus Napoleons Geschützen
Neben den menschlichen Überresten stießen die Archäologen auch auf Spuren des heftigen Kampfes, der am Abend des 18. Juni in unmittelbarer Nähe des Lazaretts tobte. Neben Dutzenden von Musketenkugeln entdeckten sie in einem Meter Tiefe eine große Metallkugel. Die rund 15 Zentimeter große Kugel war jedoch deutlich zu schwer, um von einer normalen Kanone stammen zu können. Als Tony Pollard, der archäologische Leiter des Projekts, daraufhin diese Kugel einer näheren Untersuchung unterzog, entdeckte er Überraschendes: Die Kugel wies ein Zündloch auf – es handelte sich demnach um eine Kartätsche. Diese Geschosse bestanden aus einer hohlen Eisenkugel, die mit Schießpulver gefüllt und vor dem Abschuss mittels Lunte gezündet wurde. Sie explodierte dann in der Luft oder mitten unter den feindlichen Soldaten.





