Wer sich aus biographischem und somit auch historischem Blickwinkel Beethoven nähert, folgt oft einer gefährlichen Rezeptur: Man entnimmt seinen Briefen oder auch den vielen zeitgenössischen Berichten irgendeinen griffigen Satz, um so einen Charakterzug des Komponisten zu belegen. Von Beethoven stammt etwa die Äußerung, dass die „Adlichen“ allesamt „Hunde sind“. Das erzählte jedenfalls Ludwig Tieck, der deutsche Dichter, der den Komponisten im Sommer 1808 besuchte.
Wenige Monate vor dem Besuch Tiecks war es zu einem Eklat gekommen. Fürst Karl Lichnowsky, ein Gönner Beethovens, hatte den Musiker im Kreis zahlreicher Gäste aufgefordert, er möge diese doch durch sein Klavierspiel erfreuen. Beethoven weigerte sich, weil er sich zum Lakaien degradiert sah. Beim überstürzten Verlassen des Salons verhöhnte er den Gastgeber obendrein: „Fürst, was Sie sind, sind Sie durch Zufall und Geburt, was ich bin, bin ich durch mich; Fürsten hat es und wird es noch Tausende geben; Beethoven gibt’s nur Einen.“ War der Komponist also ein glühender Jakobiner, ja ein Anhänger von Robespierre?





