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Wechselnde Tonlagen
Ludwig van Beethovens politische Präferenzen sind schwer zu deuten. War der Komponist ein Bewunderer Napoleons – oder eher dessen Gegner? Grund zu Spekulationen gab unter anderem die Widmung seiner Sinfonie „Eroica“.
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Wer sich aus biographischem und somit auch historischem Blickwinkel Beethoven nähert, folgt oft einer gefährlichen Rezeptur: Man entnimmt seinen Briefen oder auch den vielen zeitgenössischen Berichten irgendeinen griffigen Satz, um so einen Charakterzug des Komponisten zu belegen. Von Beethoven stammt etwa die Äußerung, dass die „Adlichen“ allesamt „Hunde sind“. Das erzählte jedenfalls Ludwig Tieck, der deutsche Dichter, der den Komponisten im Sommer 1808 besuchte.
Wenige Monate vor dem Besuch Tiecks war es zu einem Eklat gekommen. Fürst Karl Lichnowsky, ein Gönner Beethovens, hatte den Musiker im Kreis zahlreicher Gäste aufgefordert, er möge diese doch durch sein Klavierspiel erfreuen. Beethoven weigerte sich, weil er sich zum Lakaien degradiert sah. Beim überstürzten Verlassen des Salons verhöhnte er den Gastgeber obendrein: „Fürst, was Sie sind, sind Sie durch Zufall und Geburt, was ich bin, bin ich durch mich; Fürsten hat es und wird es noch Tausende geben; Beethoven gibt’s nur Einen.“ War der Komponist also ein glühender Jakobiner, ja ein Anhänger von Robespierre?
Greifen wir gemäß der oben genannten Rezeptur weitere Äußerungen auf. 1818 führte Beethoven einen Prozess, um sich die Vormundschaft für seinen Neffen Karl zu sichern. Er wandte sich an eine Gerichtsbarkeit, die offiziell „Wiener Landrecht“ hieß. Dort aber beschieden ihm die Beamten, er möge sich an den Wiener Magistrat wenden. Sie seien nur für Adlige zuständig, der Magistrat aber für den „normalen“ Bürger.
Und Beethoven? Er beschwerte sich bei einem Bekannten, die hohen Herren würden ihn wie einen Handwerker oder einen Schankwirt behandeln. Offensichtlich hätte er seine Sache lieber vor einer Instanz gesehen, die sich um die Angelegenheiten der „adlichen Hunde“ kümmerte.
Wünscht sich Beethoven, das „van“ in seinem Namen wäre ein „von“?
Es fügt sich ins Bild, dass er anscheinend nicht widersprach, wenn man ihn wegen des „van“ in seinem Namen irrtümlich für einen Adligen hielt. Gefiel sich Beethoven in der Rolle eines Herrn von Stand? Einer solchen Selbstwahrnehmung entspräche jedenfalls sein nicht selten rüder Umgang mit Untergebenen. Einem Ober, von dem er sich nicht ordentlich bedient fühlte, goss er einen Teller Suppe über den Kopf. Als Barbara Holzmann, seine Haushälterin, ihm mitteilte, sie liege im Spital und wünsche dort zu sterben, argwöhnte er, dass sie einfach nicht mehr zu ihm kommen wolle. Die „Alte“, schimpfte er, sei und bleibe auf immer ein „böses Weib“.
Was nun? War Beethoven ein Umstürzler? Einer, der sich gegen den Adel erhob? Oder benahm er sich wie jemand, der von hoher Warte auf „die da unten“ herabschaute? Weshalb Beethoven zwischen solchen Extremen mäanderte, lässt sich möglicherweise durch seine Reizbarkeit erklären, die seine diversen Krankheiten mit sich brachten: allen voran seine progressive Ertaubung, aber auch seine rheumatischen Beschwerden oder Schwierigkeiten mit dem Verdauungstrakt.
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Ein Blick in Beethovens Bibliothek könnte helfen, die erwähnten Momentaufnahmen zu relativieren. In Beethovens Bücherregal stand eine 1792 in Leipzig erschienene Schrift August von Kotzebues. Sie trug den Titel „Vom Adel“. Dass sie als Reaktion auf 1789, also auf die Französische Revolution, gemeint war, gibt schon der Kupferstich auf der Titelseite zu erkennen (siehe Seite 60). In seinem Zentrum steht eine kräftige Eiche mit dichtem Laub. An Putten erinnernde Knäblein wollen den Baum jedoch fällen. Schon ist eine tiefe Kerbe in den Stamm geschlagen, noch aber steht der Riese. Die Botschaft ist klar: Die Eiche verkörpert den immergrünen Adel, während die tapsigen Knirpse – der revolutionären Jugend vergleichbar – Hand an den Stamm legen.
Der Stich gibt Kotzebue demnach als Reaktionär zu erkennen, als entschiedenen Gegner der Revolution. Seine antiliberale Haltung sollte er später mit dem Leben bezahlen, denn 1819 fiel er einem Attentat des Theologiestudenten und Burschenschaftlers Karl Sand zum Opfer. Beethoven bewunderte Kotzebue. Immerhin hatte er 1811 für dessen Theaterstücke „Die Ruinen von Athen“ und „König Stephan“ zwei umfangreiche Bühnenmusiken geschrieben. War er also wie der Dichter ein Kritiker der Französischen Revolution?
Schaut man sich Kotzebues Schrift „Vom Adel“ genauer an, treten die Gründe, deretwegen Beethoven sie geschätzt haben dürfte, klar zutage. Weshalb, heißt es dort, müsse ein Baum, der einige dürre Reiser trage, denn der Axt zum Opfer fallen? Der Adel sei immer noch stark, fährt Kotzebue fort, aber er müsse sich auf eigene Verdienste gründen. Diese aber könnten jeden Menschen adeln, gleich welchen Standes: „Ludwig XIV. adelte Molière, Molière lachte darüber, der Adel ist vergessen, die Lustspiele leben noch. Lucas Cranach, Rubens, van Dyk, wer kennt nicht ihre Nahmen? Ihr Adel hängt in den Bildersälen, wer fragt nach ihren Diplomen?“
Kein Zweifel, Beethoven wird Kotzebues Traktat mit großer Begeisterung studiert haben. Die Vorstellung von einem „ächten“ Adel, den man nicht erbt, sondern infolge eigener Leistungen erwirbt, klingt jedenfalls in seinen Briefen vielfach an.
Im Sommer 1815 geschah es, dass ihn der Rektor der Wiener Universität, Baron Ludwig von Türkheim, einige Male terminlich „versetzte“. Beethoven rügte ihn deswegen, stolz, aber auch mit einer Prise Humor. So „werde ich wieder … zu ihnen kommen, … bedenken sie, daß auch ich ein Freiherr bin, wenn auch nicht dem Nahmen nach!!!!“
Wie stark Beethoven mit Kotzebue übereinstimmte, verrät ein weiterer, wohl 1822 verfasster Brief. „Unter uns gesagt“, gestand Beethoven einem nicht näher bekannten Verleger, „so republikanisch wir denken, so hat’s auch sein gutes um die oligarchische Aristokratie.“
Wie schwierig es ist, Beethoven ideologisch auf einen Nenner zu bringen, lässt sich auch an seiner komplizierten Beziehung zu Napoleon aufzeigen. Triviale Ausdeutungen beschränken sie auf ein gängiges, weithin bekanntes Narrativ. Der Komponist habe die „Eroica“, seine dritte, 1803 vollendete Sinfonie ursprünglich „Bonaparte“ widmen wollen. Wenige Monate später verbreitete sich dann die Nachricht, dass Napoleon, Frankreichs Erster Konsul, zum Kaiser gekrönt werden solle. Da sei Beethovens Verehrung in Hass umgeschlagen. Erregt habe er die Partitur der „Eroica“ ergriffen und das Titelblatt mit der Widmung zerrissen, wie sein Schüler Ferdinand Ries 1836 in der Rückschau berichtete.
Dieses – nennen wir es ruhig so – Märchen wird auch heute noch gern erzählt. Allerdings sprechen die Fakten eine andere Sprache. Widmungen pflegte man damals, und vor allem Beethoven, nicht ohne Gegenleistung, das heißt Bezahlung vorzunehmen.
Entsprechend verfuhr der Komponist auch bei seiner „Eroica“. Für deren Widmung verlangte er 700 Gulden – eine Summe, die heute in etwa 20 000 Euro entspricht. Beethoven erhielt sie aber nicht von Napoleon, sondern von Fürst Franz Joseph Lobkowitz, einem seiner wichtigsten Mäzene. Ihn weist die 1806 erschienene Erstausgabe der Sinfonie denn auch als Widmungsempfänger aus. Es verstand sich daher von selbst, dass die „Eroica“ im Palais Lobkowitz zur Uraufführung gelangte, so geschehen 1804, im Wiener Stadtpalast des Fürsten, dem heutigen Theatermuseum.
Aber so ganz falsch lag Ferdinand Ries nicht, als er den Namen Napoleons mit der Entstehungsgeschichte der „Heldensinfonie“ verknüpfte. Das bezeugt jedenfalls ein Brief Beethovens an den Leipziger Musikverlag Breitkopf & Härtel. Die Sinfonie, schrieb er im August 1803, „ist eigentlich betitelt ,Ponaparte‘“, also Bonaparte (Napoleon). Beethoven wollte sie demnach mit einer erläuternden Überschrift versehen, die auf den Charakter des Werkes verweisen sollte. Seine Absicht, ebendies zu tun, wirft die Frage auf, welches Bild Beethoven von Napoleon hatte, als er sich anschickte, die „Eroica“ zu komponieren.
Seine Bewunderung für den nahezu gleichaltrigen Franzosen basierte zunächst auf einer biographischen Schnittmenge. Der aus korsischem Kleinadel stammende Napoleon Bonaparte hatte sich in kurzer Zeit nach oben gekämpft, kraft seiner militärischen Begabung und seines organisatorischen Vermögens.
1796 hatte Napoleon den Oberbefehl über den sogenannten Italien-Feldzug übernommen. Innerhalb von zwölf Monaten hatte er Sieg um Sieg errungen, 160 000 Gefangene gemacht, 1100 Geschütze konfisziert und rund 50 Kriegsschiffe erbeutet. Im Frieden von Campo Formio (17. Oktober 1797) mussten Kaiser Franz I. und die Habsburger enorme Gebietsverluste hinnehmen, während Frankreich die österreichischen Niederlande, das heutige Belgien und Luxemburg zufielen. In seinem Ansehen enorm gestiegen, gelang es Napoleon 1799, zum beinahe allmächtigen Ersten Konsul Frankreichs aufzusteigen.
Kometenhafter Aufstieg: Das verbindet ihn mit Napoleon
Hatte Beethoven nicht einen ähnlich kometenhaften Aufstieg erlebt? Immerhin war er ein Schüler von Joseph Haydn, den man als bedeutendsten Komponisten seiner Zeit ansah. Und hatte er nicht seit seiner Niederlassung in Wien 1792 die Wiener Salons und Adelspaläste im Sturm erobert? Jedenfalls kam es vor, dass die vornehmen Damen und Herren ihn kniefällig baten, er möge sie durch sein unerhört virtuoses, kraftvolles Klavierspiel berauschen. Und zählte nicht Erzherzog Rudolph, einer der ranghöchsten Habsburger, zu seinen Bewunderern, seit 1804 gar zu seinen Schülern?
Ein weiterer Grund für Beethovens Napoleon-Begeisterung könnte dessen kompromisslose Bereitschaft gewesen sein, als Feldherr wie als Herrscher völlig neue Wege zu gehen. So hatte der Franzose seine Kriegsgegner regelrecht düpiert, weil es ihm gelungen war, die Truppenbewegungen um ein Vielfaches zu beschleunigen, freilich auf Kosten der Landbevölkerung, die nun gezwungen wurde, die Soldaten zu versorgen.
Wie der französische Konsul war auch Beethoven bereit, unentwegt voranzuschreiten, ohne auf Konventionen zu achten oder Grenzen zu akzeptieren. Er sei mit dem Erreichten nicht zufrieden und wolle fortan einen „neuen Weg einschlagen“, teilte Beethoven seinem Vertrauten Wenzel Krumpholz mit, und dies 1803, als er an der „Eroica“ arbeitete.
Aber es würde Beethovens kompositorischem Denken fundamental widersprechen, wenn er die angepeilte Namensgebung „Bonaparte“ nur im Sinn eines plakativen Etiketts verstanden hätte. Mithin stellt sich die Frage, ob und wie sich Napoleon und seine Taten in der „Eroica“ widerspiegeln. Eine Antwort findet sich leicht. Napoleonhaft, wenn man so sagen will, ist schon der Umfang des eröffnenden „Allegro con brio“. Mit 691 Takten ist es der längste Einleitungssatz aller Beethoven-Sinfonien. Und die vielen wie Schwerthiebe niedersausenden Tutti-Schläge in seinem Zentrum sind von solcher Wirkungsmacht, dass sie zahlreiche Zeitgenossen verstörten.
Allerdings lassen sich dieser Kraftakt und andere Extravaganzen der „Eroica“ nicht ausschließlich auf Napoleon beziehen, sondern auch auf andere Heroen. Beethoven war sich dieser Mehrdeutigkeit bewusst, wenn er nicht sogar mit ihr spielte. Jedenfalls bedachte er die Sinfonie auf dem Titelblatt ihrer ersten, 1806 veröffentlichten Druckausgabe mit einem entsprechenden Untertitel: „composta per festeggiare il sovvenire di un grand Uomo“, „komponiert, um die Erinnerung an einen großen Mann zu feiern“.
Wer sich hinter dem „grand Uomo“ verbergen könnte, wenn es denn nicht Napoleon war, diese Frage beschäftigte natürlich die Gemüter. Zwei Lösungen bieten sich an: 1801 war Maximilian Franz von Österreich auf dem nahe Wien gelegenen Schloss Hetzendorf verstorben. Der Habsburger, ein glühender Musikverehrer, hatte das Leben Beethovens entscheidend geprägt. Als Kurfürst von Köln residierte er seit 1784 in Bonn, bis ihn die Franzosen zehn Jahre später von dort vertrieben. Zuvor war es ihm gelungen, seinen jungen Hofmusiker als Schüler bei Haydn unterzubringen, eine schicksalhafte Weichenstellung für den aufstrebenden Komponisten.
Oder steckte – zweite mögliche Lösung – hinter dem „großen Mann“ der komponierende Prinz Louis Ferdinand von Preußen? Er hatte Beethoven bereits 1796 kennengelernt, als dieser das erste und einzige Mal Berlin besuchte. 1804 konnten die beiden ihre Beziehung vertiefen, als der Prinz wegen einer diplomatischen Angelegenheit in Wien weilte – ein Treffen, das Beethoven achtungsvoll würdigte, indem er Louis Ferdinand sein drittes Klavierkonzert widmete.
Zwei Jahre später begann der sogenannte Vierte Koalitionskrieg, in dem Preußen gegen Frankreich kämpfte. Kurz vor seinem Höhepunkt, der als Doppelschlacht von Jena und Auerstedt traurige Berühmtheit erlangte, war es nahe des thüringischen Städtchen Saalfeld zu einem Avantgardegefecht gekommen, bei dem Louis Ferdinand als preußischer Kommandeur fungierte. Am zweiten Tag der Auseinandersetzung, am 10. Oktober 1806, verlor er durch einen gegnerischen Degenstoß sein Leben, im Alter von 34 Jahren.
Welchen „großen Mann“ meint der Untertitel der „Eroica“?
Dass Beethoven ihn mit jenem „großen Mann“ gemeint haben könnte, ist somit kaum von der Hand zu weisen. Zumal er den Prinzen und sein musikalisches Können aufrichtig schätzte und der britische, 1809 verlegte Erstdruck der „Eroica“ nun titelte, die Sinfonie sei entstanden, um den Tod eines „großen Mannes“ zu würdigen.
Dass Beethoven in jenen Jahren eine Art politisches Wackelbild im Kopf hatte, lässt sich auch an der erhaltenen Reinschrift des Werkes belegen. Hier ist wieder das Titelblatt von Belang. Es trug offenbar zunächst den Zusatz, „intitolata Bonaparte“, die Sinfonie trage den Titel „Bonaparte“. Diese Hinzufügung wurde aber vom Komponisten so heftig durchgestrichen, dass ein Loch entstand. Im Nachgang wiederum ergänzte er die Wörter „geschrieben auf Bonaparte“ – allerdings nur mit Bleistift.
Beethovens zwiespältige Gefühle sollten jedoch durch die militärisch-politischen Ereignisse der kommenden Jahre befriedet werden, zumindest eine Zeitlang. Jedenfalls entwickelte er sich zu einem echten „Franzosenhasser“, wie der Schriftsteller Karl August Varnhagen von Ense mit Blick auf das Jahr 1811 berichtete. Um Beethovens veränderte Einstellung gegenüber Napoleon und seinen Mannen nachvollziehen zu können, reicht ein kurzer Blick auf die Geschichte Wiens. Zweimal kurz nacheinander hatte die Kaiserstadt sich den Truppen Napoleons damals ergeben und die Erniedrigung einer Okkupation ertragen müssen.
Während die Besetzung 1805/06 relativ glimpflich verlief, ist diejenige von 1809 als desaströs zu bezeichnen. Am 11. Mai nahm Napoleon Quartier in Schönbrunn. Nur wenig später donnerten die auf Wien gerichteten Kanonen. Der schon halb ertaubte Beethoven flüchtete sich in einen Keller und hüllte seinen Kopf in dämpfende Kissen ein, weil er ob des Schlachtenlärms um den Rest seines Gehörs fürchtete.
Doch selbst nachdem äußerlich Ruhe eingekehrt war, entspannte sich die Lage nicht. Die massenhaft in Wien eingerückten Franzosen ließen die Preise für Lebensmittel sprunghaft ansteigen; gleichzeitig verlangte man von den Wienern stattliche Sonderabgaben, Kontributionen, die auch Beethoven hart trafen. „Wir haben in diesem Zeitraum ein recht zusammengedrängtes Elend erlebt“, beklagte sich Beethoven im Juli 1809, „die Kontributionen fangen mit dem heutigen dato an – Welch zerstörendes Leben um mich her nichts als trommeln Kanonen Menschen Elend in aller Art“.
Nicht genug: Am 14. Oktober kam es zum Frieden von Schönbrunn, der unter anderem erforderte, dass der Wiener Festungswall geschleift wurde. Schon am 16. des Monats erfolgten erste Sprengungen, die wiederum einen Höllenlärm verursachten. „Ich schreibe Ihnen endlich einmal“, so Beethoven im November an einen Verleger, „nach der wilden Zerstörung [jetzt] einige Ruhe, nach allem unerdenklichen Ungemach, … was sagen Sie zu diesem Todten Frieden? – ich erwarte nicht Stetes mehr in diesem Zeitalter.“
Napoleon hatte Beethoven nicht nur der äußeren wie inneren Ruhe beraubt, sondern ihm auch derbe finanzielle Verluste beschert. Sein derart begründeter „Franzosenhass“ sollte sich erst wieder legen, als ein wirklich „toter Frieden“ einkehrte: in der Ära des gefürchteten Klemens von Metternich, der Österreich nach dem Wiener Kongress (1814/15) bekanntlich in eine Art Polizeistaat verwandelte.
Nun besann Beethoven sich erneut auf jene Werte, für die Napoleon eben auch gekämpft hatte: die im „Code civil“ garantierten Bürgerrechte, etwa die Meinungs- und Pressefreiheit. Dass Beethoven seine „Missa solemnis“ 1824 Marie Louise von Österreich, der Witwe Napoleons, zur Subskription anbot, fügt sich ins Bild.
Autor: Prof. Dr. Matthias Henke
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