Bischof Hugo von Grenoble träumte von sieben Sternen und davon, daß Gott sich in der Einsamkeit ein Haus baute. Als ihn Bruno von Köln (1032–1101) am folgenden Morgen mit seinen sechs Gefährten um eine Bleibe in der Einöde bat, soll Hugo den Sinn seines Traums erkannt haben. Historisch gesichert ist nur, daß der Bischof den sieben Gefährten die Einöde der Chartreuse zuwies, in die sich die Einsiedler am Johannistag des Jahres 1084 zurückzogen. Im Lauf der Jahrhunderte entstand dort die Grande Chartreuse, die mit Unterbrechungen bis heute das Mutterhaus des Ordens geblieben ist.
Die Ittinger Kartause ist eine relativ späte Gründung. Der Orden hatte das verarmte Augustinerchorherrenstift, unweit der heutigen Kantonshauptstadt Frauenfeld, 1461 den Truchsessen von Ittingen abgekauft. Ohne Stifter oder reiche Gönner hatte die Kartause einen schweren Start. Auch bei der Bevölkerung stießen die Fremdlinge, die sich nach außen abschotteten und dem Volk den Zutritt in die Klosterkirche verwehrten, auf Widerstand. Die Frauen von Warth, einer Gemeinde in der Nähe, prote-stierten im Jahr 1471 gegen ihren Ausschluß aus der Klosterkirche mit einem Sitzstreik.
Die Reformation brachte neue Unruhen. Im sogenannten Ittinger Sturm des Jahres 1524 verwüstete die von Zwinglis Lehre beeinflußte Bauernschaft das Kloster. Im Barock erlebte es dann eine anhaltende Blüte, in der wesentliche Gestaltungsmaßnahmen getroffen wurden, die den bau- und kunsthistorischen Reiz des Anwesens ausmachen.
Betritt man die Anlage heute, so befindet man sich inmitten des ein-stigen Wirtschaftshofs mit seinen umliegenden Bauten. Sie beherbergen mittlerweile unter anderem ein Schulungs- und Tagungszentrum. Im Osten erstreckt sich das Kloster, das seit 1983 Sitz des Ittinger Museums und des Kunstmuseums des Kantons Thurgau ist.
Die Besichtigung der Kartause beginnt im Kleinen Kreuzgang, in dem sich das Gemeinschaftsleben der Mönche abgespielt hat. Von dessen weltlicher Organisation zeugt die Prokuratur am äußersten Ende. Der hier lebende und arbeitende Mönch, der Prokurator, war das Bindeglied zur Außenwelt. An die Prokuratur schloß sich ursprünglich die Küche an, heute allerdings befindet sich dort das Fehr-Zimmer, das stellvertretend für das weitere Schicksal der Kartause nach deren Aufhebung 1848 steht. Im privaten Besitz der Familie Fehr wurde die Anlage von 1867 bis 1977 landwirtschaftlich genutzt.
Nach diesem Zeitsprung kehrt man im Refektorium wieder in das Kartäuser-Leben zurück. Dem Speisesaal kam als gemeinschaftstiftender Ort besondere Bedeutung zu. Nur sonn- und feiertags nahmen die Mönche hier zusammen ihre Mahlzeiten ein. Die prachtvolle Ausgestaltung dieses Raums mit der Täfelung, der Kassettendecke und dem Ofen entstand zwischen 1661 und 1677. Gut 100 Jahre später schmückte ein unbekannter Künstler das Täfer mit einer Bilderreihe. In Medaillons sind Eremiten der frühen Christenheit dargestellt.





