“Salomo, ich habe dich übertroffen!” soll Kaiser Justinian (527 – 565) im Dezember 537 n. Chr. beim Anblick der vollendeten Hagia Sophia ausgerufen haben. In der Tat schien das monumentale Gotteshaus den salomonischen Tempel an Größe und Schönheit überflügeln zu wollen, und begeistert rühmten die Zeitgenossen die Kühnheit und Pracht seiner Architektur und Ausstattung. Geld hatte keine Rolle gespielt, als Justinian im Dezember 532 die Baumeister Anthemios von Tralles und Isidoros von Milet mit dem Neubau der bedeutendsten Kirche des byzantinischen Reiches beauftragt hatte. Nur die besten Materialien waren gut genug, Gott und Kaiser zu verherrlichen: Aus Rom, Ephesos und Athen wurden Porphyrsäulen herbeigeschafft, aus Rhodos besonders leichter Stein. Kostbare Goldmosaiken zierten Wände und Gewölbe, farbige Steine bekleideten die Säulen. Bereits nach nur fünf Jahren Bauzeit konnte die Hagia Sophia am 26. Dezember 537 feierlich konsekriert werden. Der Heiligen Weisheit Gottes geweiht, war sie fast tausend Jahre lang die größte Kirche der Christenheit . Die überwältigende Raumwirkung in ihrem lichtdurchfluteten Innern verdankt sie vor allem der gewaltigen Kuppel, die sich in 50 Meter Höhe scheinbar schwerelos über den staunenden Betrachter wölbt, so als hinge sie “an einem goldenen Seil vom Himmel.” Als die Osmanen 1453 Konstantinopel eroberten, wurde die Hagia Sophia in eine Moschee umgewandelt und mit vier Minaretten versehen. Seit 1934 steht sie als Museum Istanbul-Besuchern aus aller Welt offen.





