Die Stechpalme, lateinisch „Ilex aquifolium“, gehört zur Familie der Aquifoliaceae (Stechpalmengewächse). Die Familie umfasst weitere 450 Arten, worunter auch laubabwerfende, die auf der ganzen Erde verbreitet sind. Zum Heimatgebiet der Stechpalme gehört vornehmlich Mittel- und Nordeuropa, Südosteuropa, Vorderasien, Kleinasien, den Balkan und das Mittelmeergebiet. Die Pflanze wirkt durch ihre harten, immergrünen, an den Rändern stachelig gezahnten Blätter ausgesprochen dekorativ. Ab September färben sich die als Weihnachtsschmuck begehrten Steinfrüchte allmählich rot. Die roten Beeren und Blätter der Ilex aquifolium sind stark giftig. 20 bis 30 rote Beeren gelten für den Menschen als tödliche Dosis.
Die Stechpalme wird häufig in Wildhecken oder Gebüschen gepflanzt und bietet daher den Vögeln willkommenen Schutz. Ihnen schaden die Giftstoffe der Früchte offenbar nicht. Die Früchte werden erst dann weich und für die Vögel essbar, wenn sie mehrmals dem Frost ausgesetzt waren. Ein sehr wichtiges Winterfutter für die Vögel, können die Beeren doch den Winter hindurch, ohne zu verderben, an der Pflanze bleiben.
Ehedem setzte man die Stechpalme auch in der Naturheilkunde ein. Obschon giftig, wurden die Früchte als Abführmittel und die Blätter als fiebersenkendes und harntreibendes Mittel bei Grippe, Bronchitis und Rheuma verabreicht. Ferner waren die gerösteten Samen als Kaffee-Ersatz geschätzt. Die belaubten Zweige dienten gebündelt und an einem Seil befestigt zum Reinigen des Schornsteins; dieser Stechpalmenbüschel funktionierte wie eine Stahlbürste. Das dichte, schwere, aber gut polierfähige grüne Holz wurde früher zu Intarsien oder Druckstöcken für den Holzschnitt verarbeitet, manchmal auch zu Messerfurnieren oder Spazierstöcken. In der Feintischlerei diente es als Ebenholzersatz, da es dunkle Lacke sehr gut annimmt.
Auf die starke Vermehrung der Stechpalme beziehen sich die Bezeichnung als „Waldunholz“ wie auch der Spruch: „Ilse bilse, keiner willse, die böse Hülse!“ Ein bekanntes Stück Hülsenholz ist der Spazierstock von Johann Wolfgang von Goethe. Man kann den Stock heute noch im Goethehaus in Weimar bewundern. Ein weiteres bekanntes Stück Illexholz ist Harry Potters Zauberstab. Der Schriftsteller J. R. R. Tolkien hatte ein Faible für den Hulstbaum; in seinem Roman „Herr der Ringe“ ist das Land „Hulsten“ (Hollin im englischen Original) Herkunftsland der Elbenringe.
Mit ihren immergrünen stacheligen Blättern und den leuchtend roten, kugeligen Steinfrüchten symbolisierte die Ilex bei den Griechen und den Römern das ewige Leben. Bei den Römern galt sie als Sinnbild für Wohlwollen und freundschaftliche Zuwendung. Während der Saturnalien, einem Fest der Römer, etwa zeitgleich mit der heutigen Weihnacht gefeiert, beschenkte man sich mit Ilex-Zweigen.





