In Kunersdorf (bei Wrietzen, früher Cunersdorf geschrieben) und damit an dem Ort, an dem der „Schlemihl“ entstand, erinnert seit 2019 ein in Privatinitiative entstandenes, sehr ansprechend gestaltetes Museum an die vielen Facetten im Leben des Adelbert von Chamisso.
Wie aber gelangte Chamisso 1813 an diesen kleinen Ort? Helene Charlotte von Friedland und ihre Tochter Henriette Charlotte, verheiratete von Itzenplitz, hatten auf ihren Gütern eine Musterwirtschaft nach englischem Vorbild eingerichtet. Ihre Pflanzenzucht und ihre Aufforstungen wurden beispielhaft für die preußische Landwirtschaft. Für agrarisch Interessierte, dazu für Künstler und Gelehrte, entwickelte sich das Schloss um 1800 zu einem geselligen Treffpunkt. Auch Chamisso wurde in den Kreis aufgenommen.
Das Schloss wurde 1945 abgerissen, und so befindet sich das Museum in einer in den 1920er Jahren erbauten Villa am Rand des Schlossparks.
Im Eingangsbereich der Schau wird an das agrarökonomische Wirken der „Frauen von Friedland“ erinnert. Der nächste Raum widmet sich den frühen Lebensstationen Chamissos und seinem Freundesnetzwerk. 1781 auf Schloss Boncourt in der Champagne geboren, floh er 1789 nach Ausbruch der Französischen Revolution mit seiner Familie zunächst nach Holland. Schließlich gelangte die Familie über mehrere Stationen nach Berlin, wo Adelbert Page der Königin Friederike Luise von Preußen wurde. Während seine Familie jedoch 1801 nach Frankreich zurückkehrte, machte Adelbert in der preußischen Armee Karriere und schrieb erste literarische Texte auf Deutsch. Befreundet war er unter anderem mit Carl August Varnhagen von Ense, dem Naturwissenschaftler Louis de La Foye, dem Juristen Julius Eduard Hitzig, später auch mit den Dichtern Friedrich de la Motte Fouqué und E.T.A. Hoffmann. In arge Bedrängnis geriet Chamisso während der preußischen Befreiungskriege. Er erlebte im nationalistisch aufgewühlten Berlin als Franzose Anfeindungen – Zeit für den Rückzug nach Cunersdorf.
In der „Bibliothek“, dem nächsten Raum, befindet sich eine Inszenierung von Chamissos Arbeitsplatz mit Auszügen aus seiner Korrespondenz und der Erstausgabe des „Schlemihl“. Die zahlreichen Übersetzungen und Neuauflagen künden vom großen Erfolg dieses Werks.
Höhepunkt der Ausstellung aber ist die Abteilung „Adelbert von Chamisso als Weltreisender“. 1815 entschloss sich dieser zur Teilnahme an einer dreijährigen russischen Pazifik- und Antarktisexpedition. Auf der Brigg „Rurik“ gelangte er zunächst nach Chile, dann von der Südsee bis nach Kamtschatka und ins nördliche Eismeer, dann nach Hawaii, wieder ins Nordpolarmeer und schließlich durch den Indischen Ozean und den Pazifik zurück nach Europa. In dem schön inszenierten Raum visualisieren passende Objekte diese wagemutige Reise. Ein Video auf großer Leinwand präsentiert die verschiedenen Stationen der Expedition, dazu Zitate und Illustrationen aus Chamissos 1836 erschienener Publikation über seine Weltreise. Man kann so an den Entdeckungen des Forschers (viele Pflanzen und Tiere sind nach ihm benannt) sowie an seinen Arbeiten an einer hawaiischen Grammatik teilhaben und darüber staunen, wie bemerkenswert vorurteilsfrei er die Verhaltensweisen der einheimischen Bevölkerung beschreibt.





