Die „Werkstatt des Historikers“ ist die deutschsprachige Übersetzung des Titels „From reliable sources“ aus der Feder der in Columbia lehrenden Martha Howell und des Genter Professors Walter Prevenier. Dem Anspruch nach soll das Buch nicht die „Werkzeuge“ des Historikers darstellen – wofür ja auch Ahasver von Brandt im deutschsprachigen Raum bereits ein Standardwerk geschaffen hat – sondern vielmehr einen Blick über die Schulter des arbeitenden Historikers in dessen „Werkstatt“ werfen. Und so beschäftigt sich das Buch auch hauptsächlich mit der wichtigsten Tätigkeit des Historikers: der Quellenarbeit. Wesen und Entstehung von Quellen werden ausführlich behandelt, ebenso Grundprobleme der Quellenanalyse und -interpretation wie die fragliche Objektivität einer schriftlichen Quelle oder die Voreingenommenheit des Betrachters. Den Autoren ist daran gelegen, die Zeitgebundenheit der Geschichtswissenschaft darzustellen. In weiteren Teilen folgen Ausführungen zu neueren Interpretationsansätzen (wobei die Auswahl unvollständig ist) und zur „Natur historischer Erkenntnis“, insbesondere zum Problem der Kausalität.
Die Zielgruppe des Buchs ist allerdings unklar. Dem Studienanfänger wäre jedenfalls mit einem übersichtlichen, kompakt gehaltenen Werk mehr geholfen als mit den umfangreichen Theorieaufsätzen, die die „Werkstatt des Historikers“ bietet. Fortgeschrittene wiederum werden kaum mehr darüber aufgeklärt werden müssen, was denn eine Quelle ist. Ärgerlich sind auch die Angaben zu überwiegend fremdsprachiger Literatur im laufenden Text und im Anhang. Der Herausgeber Theo Kölzer gesteht zwar einleitend ein, daß eine Übertragung der zitierten Literatur in das deutschsprachige Forschungsumfeld leicht möglich gewesen wäre, meint jedoch, darauf verzichten zu müssen, um den Charakter des Buches zu erhalten. Das weiterführende Literaturverzeichnis im Anhang hätte jedoch unbedingt die deutschen Übersetzungen der genannten Werke bringen müssen.
Rezension: Quaas, Ruben





