man dazu noch die USA, die sich bereits im 18. Jahrhundert von London gelöst hatten, so versteht man, warum das britiJesus von Nazareth sche Empire in den Augen viein seiner Zeit ler als Grundlage der modernen Welt angesehen wurde Die Umstände nachzuzeichund wird. Und nicht von ungenen, die die eigenartige Karriefähr wurde Englisch deren Linre des Jesus von Nazareth begua franca. gleiteten, bedingten, vielleicht Zwar sind die formalen auch ermöglichten – all das ist Herrschaftsbeziehungen verdas Ziel des neuen Buchs des gangen, und Whitehall ist Berliner Althistorikers Werner längst nicht mehr das politiDahlheim. Er widmet sich diesche Entscheidungszentrum ser Aufgabe in seiner vertrauder Welt, aber das kulturelle ten Manier: mit erkennbarem Erbe des Empire wirkt bis heuGefallen am Umgang mit Wörte nach, und sei es als Modell tern und dem Augenmerk auf einer zentralisierten Weltregieeine packende Erzählung sowie rung, für das die USA mittlerauf eine griffige Verdichtung weile das Erbe angetreten hat. von Sachverhalten, um eine Das meinte zumindest der brikomplexe Materie eingängig tische Historiker Niall Ferguson und konzentriert darzubieten. in seiner vielgelesenen Studie Auf diesem Feld ist Dahlheim „Empire. How Britain Made the mittlerweile der Doyen des Modern World“ von 2004, die Fachs, und er erschließt seine nach Jahrzehnten anhaltender Themenschwerpunkte einem postkolonialer Kritik eine Ehbreit interessierten Leserkreis. renrettung des britischen Insgesamt beeindruckt dabei, Weltreichs versuchte und die wie eindeutig er in vielen Form des „Empires“ durchaus Punkten Position bezieht, anals positives Vorbild empfahl. statt einem lauen Überblick Derartiger Populismus ist zuzuarbeiten. John Darwin, sicherlich einer So wird die Gemengelage in der weltweit besten Kenner Judäa, in die Jesus hineingeboder Materie, fremd. Aber auch ren wurde, in knappen, kräftidem Oxforder Historiker geht gen Zügen dargestellt und es in gewisser Weise um eine die Einbettung in die römisch Verteidigung des britischen gewordene Welt ebenso vorEmpire gegen eine zu pauschale genommen wie die Überliefeund in Teilen politisierte Kritik. rungsgeschichte problematiEr verweist dagegen auf die siert. Stets leitet die Frage schiere Komplexität und Vielnach der Besonderheit des sich falt des weltumspannenden herausbildenden Christentums Reichs und seiner Akteure auf und der Voraussetzung seines allen Kontinenten. Diese verErfolgs die Darstellung. Inwiehindere jegliche generalisiefern der als Messias begriffene rende Aussage, denn zu unterJesus sich als ebendiese Projekschiedlich waren etwa die Ertionsfläche eignete, kann man fahrungen britischer Siedler in nur dann ansatzweise versteden amerikanischen Neuenghen, wenn die Gegebenheiten land-Staaten von denen in dieser Umwelt in ihrem weltAustralien oder Südafrika oder historischen Rahmen einbezodie Machtposition der englischen Kolonialakteure auf dem indischen Subkontinent Prof. Dr. Christian Wendt im 17. Jahrhundert von der des britischen Raj (von BritischIndien) im 20. Jahrhundert, um Weltumspannend: nur zwei Beispiele zu nehmen. das britische Empire Seine These, das britische Empire sei nie der monolithiDas britische Empire war wahrscheinlich das größte und sche ökonomische und politische Apparat gewesen, als den folgenreichste Weltreich der Geschichte. Auf seinem Höhe- man es sich heute vorstellt, also in gewisser Weise unvollpunkt nach dem Ersten WeltWerner Dahlheim, Die Welt krieg umfasste es mehr als ein endet geblieben, untermauert zur Zeit Jesu. Verlag C. H. Beck, Viertel der Landmasse der Welt Darwin durch die Entfaltung München 2013, 492 Seiten, eines beeindruckenden Kaleiund ihrer Bewohner. Rechnet € 26,95.





