von ANDREAS ECKERT
Anlass war, dass der belgische König Leopold II. ohne Rücksicht auf die Wünsche der Franzosen, Briten und Portugiesen die riesige Region als seinen Besitz reklamierte. Die vom deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck einberufene Konferenz endete am 26. Februar 1885 mit der Unterzeichnung der „Kongoakte“, die Leopold tatsächlich den Kongo-Freistaat zuschlug. Bis zum Jahr 1908, als der belgische Staat die Kolonie in seine Obhut nahm, sollten unzählige Einheimische das von Leopold errichtete Regime der Ausbeutung mit dem Leben bezahlen.
Dieser Freistaat stellte als Privatbesitz Leopolds eine Besonderheit innerhalb der von den Europäern errichteten Kolonialreiche dar. Mit viel Geschick war es dem Monarchen gelungen, seinen Drang nach einem eigenen Reich in Afrika als philanthropisches Werk darzustellen und die Großmächte im Wettstreit um die Kolonien gegeneinander auszuspielen.
In Berlin ließ er sich seinen „Freistaat“ diplomatisch absegnen. Den Vereinigten Staaten versprach er die Förderung humanitärer Vorhaben, Großbritannien den Freihandel, Frankreich ein Vorkaufsrecht. In
Belgien selbst hatten Regierung und Parlament nichts dagegen, dass der Monarch sich mit Plänen beschäftigte, die ihn von der Innenpolitik ablenkten.
Die Berliner Afrika-Konferenz, auf der das Schreckensregime im Kongo gleichsam abgenickt wurde, steht für viele Menschen für die Zerstörung eines vermeintlich „freien Afrika“ zugunsten eines kolonialen Systems, welches künstliche Grenzen einführte und die Menschen auf dem Kontinent brutal unterdrückte. Warum berief ausgerechnet der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck dieses Treffen ein? Noch 1880 hatte er behauptet: „Solange ich Reichskanzler bin, treiben wir keine Kolonialpolitik.“ Die zunehmenden innereuropäischen Spannungen wegen der Begehrlichkeiten mit Blick auf Afrika bewirkten jedoch einen Sinneswandel bei ihm. Mit der Konferenz wollte er das Thema in für Deutschland kalkulierbare Bahnen lenken.
So leicht wie erhofft lässt sich der Sklavenhandel nicht beenden
Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein hatte sich die europäische Präsenz in Afrika auf drei größere territoriale Brückenköpfe in Algerien, Senegal und Südafrika beschränkt. Überdies kontrollierten Europäer in Westafrika einige kleinere Besitzungen an der Westküste des Kontinents. Dazu zählten Forts, Faktoreien oder auch einzelne Städte wie Lagos. Rückkehrer aus Amerika hatten überdies mit US-amerikanischer Hilfe Liberia gegründet, den ersten völkerrechtlich anerkannten unabhängigen Staat Afrikas. Briten und Franzosen siedelten Freigelassene und Rückkehrer in Sierra Leone und Libreville an. An einigen Orten wurden Missionsstationen gegründet. Erstmals gelangte eine – kleine – Gruppe von Afrikanern in den Genuss einer modernen westlichen Bildung, die, der Zeit entsprechend, christlich geprägt war.





