Zum 300. Geburtstag Karls IV. erschien im vergangenen Jahr eine ausführliche Aufarbeitung des Berichtes zur Kaiserkrönung Karls IV. unter dem Titel „Wie Blitz und Donnerschlag – Die Kaiserkrönung Karls IV. nach den Berichten des Johannes Porta de Annoniaco“. Herausgegeben von Olaf B. Rader unter Mitarbeit von Marianna Spano und Ulrike Hohensee, widmet sich das Werk dabei einem einzigartigen historischen Dokument, einem vollständigen Bericht zur Krönung Kaiser Karls IV. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Dass dieser Krönungsbericht, der von einem Reisebericht gerahmt wird, überhaupt zustande kam, verdanken wir dem Umstand, dass nicht der Papst selbst den Kaiser krönte, sondern der Bischof von Ostia und Velletri, Kardinal Pierre Bertrand. Dessen Sekretär, eben jener Johannes Porta de Annoniaco, fasste alles zur Zeremonie Gehörende und für die Reise Interessante in einem Bericht zusammen, der die Taten und Verdienste seines Herrn festhalten sollte. Heute ist der Reisebericht vor allem ob seines Detailreichtums und der Gegenüberstellung von Vorstellung, Vorbereitung und Praxis der Kaiserkrönung interessant.
Die Edition verfolgt dabei eine klar definierte Zielsetzung: „Das vorliegende Buch ist vor allem für jene gedacht, die sich für die Kulturgeschichte von Krönungen interessieren und die sich schon immer gefragt haben, was man in Sankt Peter bei Kaiserkrönungen sang und wo eigentlich das Salböl hinkam.“
Dabei geht Rader nicht allein auf den Ablauf der Krönung Kaiser Karls IV. ein, sondern stellt diesem eine etwa 50 Seiten umfassende Vorrede bei, in der er ausführlich auf die Bedeutung Karls IV., die Überlieferungsgeschichte der Quelle und die verschiedenen Kronen des Kaisers eingeht. Allein den Kronen des Herrschers werden dabei mehrere Unterkapitel gewidmet. Die Frage hingegen, welche Bedeutung der Kaisertitel zu jener Zeit, in der der gerade erst gekrönte Regent sich nach seinem Festmahl sogleich aus Rom zurückziehen musste und der Papst in Avignon saß, überhaupt hatte, behandelt Rader nur in einem Kapitel zur „Idee der imperialen Herrschaft“. Hier hätte seinen Ausführungen eine etwas tiefergreifende Auseinandersetzung gut getan. Die Anmerkungen zur Entstehungsgeschichte des Textes und zu den beteiligten Personen hingegen sind lesenswert.
Rader bedient sich, besonders in seinen einleitenden Kapiteln, einer sehr lebendigen Sprache. Ob der Versuch, den Leser mit einem reportageartigen Einstieg für das Thema, welches dem Herausgeber sichtlich am Herzen liegt, zu begeistern, an dieser Stelle angebracht oder gelungen ist, darf bezweifelt werden. Im Ergebnis führen dieser Stil und die Inszenierung Karls IV. als in der öffentlichen und wissenschaftlichen Wahrnehmung heillos unterrepräsentierte Person zu einer Fülle an Adjektiven und Superlativen, die den Text überfrachten.





