Die Pest ist eine der großen Seuchen der Menschheitsgeschichte. Schon seit der Bronzezeit befällt das Bakterium Yersinia pestis den Menschen und verursacht in seiner häufigsten Form Fieber, schmerzende Beulen in Achselhöhlen und Leisten und im schlimmsten Fall den Tod durch Organversagen. Am schlimmsten wütete der “Schwarze Tod” im 14. Jahrhundert, als er in Europa rund ein Drittel der Bevölkerung dahinraffte. Heute ist klar, dass der Erreger dieser Pandemie seinen Ursprung in Asien hatte.
Pesttote als Zeitzeugen
Doch bisher war unklar, über welche Wege der Pesterreger damals Europa erreichte. Ebenso strittig ist, ob sich die Bakterien nach ihrer ersten Einschleppung dauerhaft in Europa etablierten oder ob sie immer wieder aufs Neue aus Asien in den Westen gelangten. “In bisherigen Studien wurden dafür zwei Szenarien vorgeschlagen”, erklären Amine Namouchi von der Universität Oslo und ihre Kollegen. Im ersten Fall wurde der Pesterreger nur einmal aus Asien eingeschleppt. Weil sich das Bakterium aber in tierischen Reservoirwirten wie Ratten und Flöhen in Westeuropa halten konnte, kam es auch in den folgenden Jahrhunderten immer wieder zu Neuausbrüchen. Das zweite Szenario geht davon aus, dass es ein Reservoir in Osteuropa oder Zentralasien gab, von dem aus die Seuche über Handelsrouten und durch Migrationen immer wieder nach Westen gelangte.

Um mehr Klarheit über die Ausbreitungswege des “Schwarzen Todes” zu erhalten, haben nun Namouchi und sein Team das Erbgut von Yersinia pestis aus fünf Pesttoten aus dem 14. Jahrhundert analysiert. Die Toten stammen aus vier archäologischen Fundstätten in Südfrankreich, den Niederlanden, aus der Toskana und aus Oslo in Norwegen. Die Forscher verglichen das Genom der Pesterreger mit denen bereits bekannter Pestfälle aus dieser Zeit und mit 126 bekannten Stämmen dieses Bakteriums. Zusätzlich zogen sie zeitgenössische Dokumente wie Testamente, Eigentumsurkunden und anderes zur Rekonstruktion der Ereignisse hinzu.
Pelzhandel als Seuchenbringer?
Die Auswertungen haben nun neue Hinweise darüber geliefert, wie der Pesterreger nach Europa eingeschleppt wurde. Demnach könnte der im Mittealter aufblühende Pelzhandel mit Russland und Zentralasien eine Schlüsselrolle dafür gespielt haben. “Während der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erlangten Bolgar und Nowgorod in Russland eine wirtschaftliche Dominanz als bedeutende Handelszentren für Pelze”, berichten die Wissenschaftler. “Über die Hanse erhielt Nowgorod damals Zugang zum westeuropäischen Markt und verschiffte große Mengen von Pelzen über die Häfen von Hamburg und Lübeck nach London.”





