Die Kunsthistorikerin begibt sich auf die Suche nach den Ursachen der großen internationalen Strahlkraft des Malers. Detailliert zeichnet sie den Prozess des Berühmtwerdens Delaroches bis zu seinem Tod im Dezember 1856 nach. Ihre Studie eröffnet neue Perspektiven auf Künstlerkarrieren und deren gesellschaftliche und mediale Rahmenbedingungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Vor allem zeigt sie auf, wie die globale Berühmtheit des Malers erst durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren möglich wurde, die sich gegenseitig verstärkten.
Parallel zu seinen Salonerfolgen und darauf aufbauend gelang dem Maler zunächst der Aufstieg im staatlichen Kunstsystem Frankreichs. Er erhielt mehrere renommierte Posten, unter anderem wurde er 1832 als bis dahin jüngstes Mitglied in das Institut de France aufgenommen. Eine Professur für Malerei und die Übernahme eines Lehrateliers in der renommierten École des beaux-arts folgten. Es zog Hunderte von Schülern an, die auch aus dem Ausland kamen und den Namen ihres Lehrers später weit über die Grenzen Frankreichs hinaustrugen. Delaroche stellte seine Bilder zudem in seinem privaten Atelier aus – ein Affront gegen die zu dieser Zeit übliche Form der Kunstbetrachtung – und zog damit weitere Aufmerksamkeit auf sich.
Eine besondere Rolle spielte schließlich die Präsenz seiner Kunstwerke auf Ausstellungen außerhalb Frankreichs. Dabei wird deutlich, dass der internationale Erfolg des Malers weniger in seinen eigenen Händen als vielmehr in der einer Vielzahl an Akteuren lag, die auch eigene Interessen verfolgten. Delaroches 1845 vollendetes Gemälde „Napoleon in Fontainebleau“ etwa wurde von einem Leipziger Seidenwarenhändler und Konsul namens Schletter erworben, der das Werk in Leipzig, Dresden, Berlin, Wien und Prag öffentlich ausstellen ließ. Schletter steigerte damit nicht nur die internationale Sichtbarkeit des Malers, sondern auch sein eigenes Renommee als Sammler.
Autorin: Anna Joisten
Literatur
Lisa Hackmann, Paul Delaroche. Das Phänomen globaler Berühmtheit im 19. Jahrhundert. Berlin 2022.





