„Kaum jemand tanzt in nüchternem Zustand, es sei denn, es ist ein Verrückter“. Diese Meinung Ciceros wurde in weiten Teilen der vornehmen römischen Gesellschaft geteilt, denn der Tanz galt als unmoralisch. Nicht so bei den Griechen. Aus Kreta, der Wiege des Reigentanzes stammend, war es dem Tanzlehrer Thaletas gelungen, die als Kriegervolk bekannten Spartaner “nach seiner Flöte tanzen zu lassen” und dem Tanz neue Wege zu weisen. Solche, für die antike Kultur prägende, Persönlichkeiten führt Holger Sonnabend in seinem Buch vor. Der Althistoriker versteht es dabei auf spielerische Weise, die kulturellen Innovationen seiner Figuren in ihren historischen und mythologischen Zusammenhängen darzustellen. Schön ist, daß neben den uns eher bekannten Errungenschaften, wie etwa der Philosophie Marc Aurels und der Liebeslyrik Sapphos, auch weniger prominente aus der Versenkung geholt werden, so etwa der Römer Lucullus, der auf dem Kriegszug gegen Mithridates die Süßkirsche für Europa entdeckte. In 21 Skizzen erfahren wir von antiken „Trends“, die teilweise noch heute wesentliche Bestandteile unserer Kultur bilden. Gegen unsere schnellebige Zeit setzt Sonnabend die Langlebigkeit der Tradition und hat damit ein unterhaltsames Lesebuch geschaffen, das Kurzweil garantiert.
Rezension: Ziegler, Manuel





