Vom Himmel schleuderte er [der Herr] das Land seiner Herrlichkeit, das Land Polen, seine Lust, die anmuthige Landschaft, die Wonne der ganzen Erde und seine Pracht! Zerstört hat der Herr schonungslos all die Wohnungen Jacob’s … am Tage seines Zorns und seines Grimmes. Alles dieses schaute der König David in seinem prophetischen Geiste, daß einst Tartaren und Griechisch-Katholische sich vereinigen, um Israel, das Volk seines Eigenthums, zu vertilgen im Jahr 5408 [= 1648].“
Mit diesen drastischen Worten leitete der zeitgenössische Chronist Nathan Hannover seinen Bericht über den Aufstand der Saporoger Kosaken ein, der 1648 ausgebrochen war. Der Aufstand der am Unterlauf des Dnjepr (in der heutigen Ukraine) siedelnden Kriegergemeinschaft richtete sich eigentlich gegen die Magnaten der polnisch-litauischen Adelsrepublik, gegen deren Willkür und die von ihnen ausgehende wirtschaftliche Ausbeutung. Wegen der Ermordung und Vertreibung Zehntausender Juden durch die Kosaken fand der Aufstand jedoch einen festen Platz in der jüdischen Erinnerung – bis zur Schoah galt er als größte Katastrophe in der jüdischen Geschichte der Neuzeit.
Doch wie kam es während eines Aufstandes gegen die Adelsrepublik zu solchen Grausamkeiten gegen die lokalen Juden? Die Antwort ist in der damaligen Mittlerfunktion der Juden zwischen adligen Grundbesitzern und der lokalen Landbevölkerung zu suchen. Gerade im Südosten Polen-Litauens spielten Juden eine wichtige Rolle in der Besiedlung des Landes und waren für die Magnaten als Pächter tätig. Die weitgehend verarmten Bauern der Region nahmen die Juden daher als örtliche Vertreter des verhassten polnischen Adels wahr.
Hinzu kamen religiöse Konfliktlinien. Weite Teile der Bevölkerung bekannten sich zum griechisch-orthodoxen Glauben. In der Adelsrepublik galt zwar prinzipiell eine religiöse und konfessionelle Toleranz, doch kam es mit den Jahren zu einer schleichenden Katholisierung der Gebiete.
Auch die ruthenischen Saporoger Kosaken, die in der Region lebten, gehörten der griechischen Orthodoxie an. Einige davon waren Bauern, die als Leibeigene auf den Ländereien der polnischen Magnaten arbeiteten. Viele der Kosaken standen jedoch im Dienst der polnischen Könige und waren mit der militärischen Sicherung des Grenzlandes beauftragt, an das sich im Süden das Osmanische Reich anschloss. Aufgrund der widrigen wirtschaftlichen Verhältnisse begehrten die Kosaken im 17. Jahrhundert immer öfter gegen die polnischen Herren auf.
Die Kosaken verbünden sich mit den Krimtataren
Ihre Aufstände waren weitgehend erfolglos geblieben, bis sich der Kosakenführer Bogdan Chmielnicki schließlich 1648 mit den militärisch stärkeren Krimtataren zusammentat. Nun gelang ihnen ein erfolgreicher Feldzug gegen die Armee der polnischen Krone. Kosaken und Krimtataren drangen tief in die westlichen Teile der Adelsrepublik ein – ihr Vormarsch kam erst 1651 zum Erliegen. Bis nahe an die heutige Grenze der Ukraine zu Polen waren die aufständischen Truppen zu diesem Zeitpunkt bereits vorgedrungen.





