Der Anfang einer Bewegung, die sich dem Anschluss der deutschsprachigen Teile Österreichs an das Deutsche Reich verschrieb, lässt sich auf das Jahr 1866 datieren, als Österreich in der Schlacht bei Königgrätz Preußen unterlag und sich aus Deutschland hinausgeworfen sah. Viele nationalliberal gesinnte Vertreter des deutschösterreichischen Bürgertums wollten nicht akzeptieren, nunmehr zu einem der vielen Völker des Vielvölkerstaates zu gehören, statt Deutsche unter Deutschen zu sein.
Der wichtigste und radikalste Vertreter der sich sukzessive entwickelnden Anschluss-Bewegung war der Reichsratsabgeordnete Georg Ritter von Schönerer (1842–1921), ein Gutsbesitzer aus dem niederösterreichischen Waldviertel. Er verehrte die Hohenzollern, verabscheute die Habsburger, propagierte den Übertritt von der römisch-katholischen zur evangelischen Kirche („Ohne Juda, ohne Rom bauen wir Germaniens Dom“) und steigerte sich vom moderaten Judengegner zum hasserfüllten Rassenantisemiten. Ein verbreiteter Slogan von Schönerers Alldeutscher Bewegung lautete: „Was der Jude glaubt, ist einerlei, in der Rasse liegt die Schweinerei!“





