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„Wir werden dort beten, wo seine Füße standen“
Beginnend mit der Legende von der Kreuzauffindung durch Kaiserin Helena in der Spätantike, wurde Jerusalem zum ersten Pilgerziel der Christen. Bei den frühen Pilgern stand das Interesse an den authentischen Orten im Mittelpunkt, im Lauf der Zeit wurde dann die Hoffnung auf Erlösung zum dominierenden Pilgergrund.
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Als die Kaiserinmutter Helena 326/27 ihre legendäre Pilgerfahrt nach Jerusalem antrat, war sie nicht die erste christliche Reisende in Jerusalem. Dennoch wird sie oft als erste Pilgerin beschrieben. Helena (vermutlich 248/250–329/30) war die Mutter Kaiser Konstantins (306–337), der durch die Gewährung der Religionsfreiheit und die Privilegierung des Christentums die Situation der Christen im Römischen Reich grundlegend veränderte.
Helena selbst war zum Christentum konvertiert und reiste gemäß späteren Erzählungen im fortgeschrittenen Alter nach Jerusalem. Grund für die Reise war wohl in erster Linie der Versuch, die Schuld ihres Sohnes zu mindern: Konstantin hatte seinen Sohn sowie seine erste Frau ermorden lassen.
Es gibt keine zeitgenössischen Belege für Helenas Reise, somit ist diese äußert fraglich. Entscheidend ist jedoch, dass schon bald mit Helena die Auffindung des Heiligen Grabes und des Heiligen Kreuzes sowie zahlreiche Kirchengründungen im Heiligen Land verbunden wurden. Durch die Grabeskirche erhielt die Christenheit den zentralen Ort für ihre Gebete, durch die Kreuzauffindung die zentrale Reliquie, welche direkt mit Jesus in Verbindung stand.
Jerusalem wurde so zum Anziehungspunkt für die Christen. Die Pilgerfahrt nach Jerusalem wurde gesellschaftsfähig und Helena zum Vorbild für die Pilger. Obwohl es bereits vor Helenas legendärer Pilgerfahrt vereinzelte christliche Reisende in Jerusalem gab, ist die mit ihr verbundene Kreuz- und Grabauffindung der Start für die Entwicklung des mittelalterlichen Pilgerwesens.
Pilgerfahrt: auf den Spuren Jesu wandeln
„Pilgern“ kommt vom lateinischen peregrinatio, was ursprünglich nur die Reise in die Fremde meinte. Der Pilger war also anfangs einfach ein „Fremdling“. Ganz allgemein kann man eine Pilgerfahrt als die Reise einer Person zu einem Ort in der Ferne bezeichnen, der einen besonderen Wert für diese darstellt. „Wallfahrt“, das vom mittelhochdeutschen wallen (umherschweifen/unstet sein) abstammt, wird zumeist als Synonym zu „Pilgerfahrt“ verwendet.
In der Volkskunde gibt es aber durchaus einen Unterschied: Wallfahrt meint dann eher eine lokale oder regionale Reise zu einem Heiligtum, ohne den heimatlichen Lebenshorizont zu verlassen, während eine Pilgerfahrt in Anlehnung an Jesus als lebenslange heimatlose Reise auf Erden verstanden wird. Man könnte auch sagen, bei einer Wallfahrt steht das Ziel im Fokus, bei einer Pilgerfahrt der Weg. Bei einer Pilgerfahrt spielt also auch der Aspekt der Askese eine wichtige Rolle.
Im Spätmittelalter unterschied man dann zwischen den peregrinationes maiores und minores. Zu den peregrinationes maiores zählten die Pilgerfahrten nach Rom, Santiago und Jerusalem. Die peregrinationes minores waren Pilgerreisen zu allen anderen Zielen, mit weniger Bedeutung bzw. meist in der näheren Umgebung. Diese Unterscheidung spielte eine Rolle für den im Spätmittelalter üblichen Sündenerlass, da der Aufwand der Reise bzw. die Bedeutung des Zielortes für die Berechnung des Ablasses relevant war.
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Damit ein Ort zu einem Pilgerziel wurde, ist zunächst die Bedeutung des Ortes für eine Gemeinschaft wichtig. Im Fall Jerusalems ist es der Ort des Leidens und Sterbens Jesu Christi sowie der Auferstehung und damit der zentralen Ereignisse des Neuen Testaments, der Grundlage des Christentums.
Doch bei den frühen Christen stand zunächst die Gemeinschaft im Mittelpunkt, nicht der Ort. Jerusalem wurde erst durch die vermeintliche Entdeckung von Grab und Kreuz zum Pilgerort. Die biblischen Orte im Heiligen Land wurden in der Spätantike mit zeitlichem Abstand zur Entstehung der christlichen Gemeinden langsam zu Stätten der Verehrung, getreu dem vielzitierten Satz in Psalm 131, 7 (Text der Vulgata): „Wir werden dort beten, wo seine Füße standen“ („Adorabimus in loco ubi steterunt pedes eius“). Mit einer Pilgerfahrt war also die Hoffnung auf das Erleben der göttlichen Präsenz an den heiligen Orten verbunden.
Der sich langsam entwickelnde Reliquienkult unterstützte die Sakralität der authentischen Orte. Im Lauf des Mittelalters wurden Reliquien immer wichtiger für die Glaubenspraxis, so dass bald die Teilung von Gebeinen gestattet wurde und fast jeder Altar eine Reliquie enthielt. Zahlreiche Orte in Europa entwickelten sich erst durch den Reliquienkult zu wichtigen Pilgerzielen, unter anderem Rom (Apostel Petrus und Paulus), Santiago de Compostela (Apostel Jakobus), Köln (Heilige Drei Könige) und Canterbury (Thomas Becket). Für Jerusalem selbst war neben den Reliquien jedoch der Ort selbst mindestens gleichbedeutend, zumal die Jerusalemer Kreuzreliquie durch die arabische Eroberung Jerusalems im 7. Jahrhundert verlorenging – dennoch reisten weiterhin Pilger dorthin.
Jerusalem gilt als Nabel der Welt
Der Kirchenvater Hieronymus (um 347– 419/20) stellte fest: „Jerusalem liegt in der Mitte der Welt.“ Dies galt schon lange vor dem Christentum, bereits im antiken Judentum war Jerusalem als Stadt des Tempels Salomons die zentrale heilige Stätte. Sichtbar wird dies in vielen biblischen Psalmen, in denen die jüdische Wallfahrt nach Jerusalem besungen wird, beispielsweise in Psalm 122, 2: „Schon stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem“. Die frühen Christen übernahmen teilweise die jüdischen Vorstellungen. Jerusalem erhielt aber als wichtiger Ort der Heilsgeschichte eine ganz neue Bedeutung: Zentraler Ort war dabei der Berg Golgatha, der als Ort der Kreuzigung Jesu für die Christen die gleiche Bedeutung wie der Tempelberg für das Judentum bekam.
Nach aktuellem Forschungsstand kann man mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit annehmen, dass sich das historische Grab ungefähr im Bereich der Grabeskirche befand. Letztlich entscheidend ist aber die Tatsache, dass bereits sehr früh das Grab hier verortet und der Ort selbst dadurch mit religiöser Bedeutung aufgeladen wurde.
Gleichzeitig war Jerusalem nach biblischer Vorstellung die jenseitige himmlische Stadt und mit den apokalyptischen Endzeiterwartungen sowie der Wiederkunft Christi verknüpft. Die christlichen Vorstellungen vom Ende der Welt gehen zurück auf die Offenbarung des Johannes. In der Offenbarung, dem letzten Buch der Bibel, beschreibt Johannes Jerusalem als heilige Stadt der neuen Welt Gottes in ihrer ganzen Herrlichkeit: „Ihr Lichtglanz war gleich einem sehr kostbaren Edelstein, wie ein kristallheller Jaspisstein. … Und der Baustoff ihrer Mauer war Jaspis und die Stadt reines Gold, gleich reinem Glas. Die Grundsteine der Mauer der Stadt waren mit jeder [Art] Edelstein geschmückt. … Und die zwölf Tore waren zwölf Perlen (Offenbarung 21, 18 – 21).“
Nach der Offenbarung ist das himmlische Jerusalem den Guten vorbehalten, nämlich denjenigen, die in das Buch des Lebens eingetragen sind. Die Vorstellung vom himmlischen Jerusalem war fest im Glauben der Christen verankert. Während zunächst in der Zeit der ersten christlichen Gemeinden und der Kirchenväter das irdische Jerusalem als reale Stadt klar vom himmlischen Jerusalem unterschieden wurde, vermischten sich im Lauf der Zeit in der frühmittelalterlichen Vorstellungswelt das irdische und das himmlische Jerusalem zusehends.
Die reale Stadt Jerusalem war für die Christen des Abendlandes weit entfernt und wurde damit immer mehr mit dem himmlischen Jerusalem und der Hoffnung auf Erlösung verbunden. Man glaubte, im irdischen Jerusalem dem himmlischen zukünftigen Jerusalem am nächsten zu sein. Dieser Gedanke verselbständigte sich im Mittelalter bis hin zur Vorstellung, dass wenn ein Pilger auf seiner Reise in Jerusalem verstarb, dieser direkt in das Himmelreich Gottes aufgenommen würde.
Nach der legendenhaften Pilgerfahrt Kaiserin Helenas folgten in der Spätantike zahlreiche Pilgerinnen und Pilger ihrem Beispiel. In dieser Zeit reisten neben zahlreichen Klerikern auch viele oft adlige Frauen nach Jerusalem.
Einen besonders guten Einblick in die frühen Pilgerfahrten gibt der Reisebericht der Nonne Egeria. Sie reiste vermutlich zwischen 381 und 384 ins Heilige Land. Zudem besuchte sie Mesopotamien, Syrien, Ägypten und Konstantinopel. Leider hat sich der Pilgerbericht Egerias nicht vollständig erhalten, daher sind ihr Reiseweg und ihre Unternehmungen in Jerusalem nicht bekannt. Es ist aber gut möglich, dass sie wie viele Reisende der Spätantike den Landweg nahm. Das römische Straßennetz war noch weitgehend intakt, und im Schutz des Römischen Reichs war der Landweg verhältnismäßig ungefährlich. Egeria reiste nicht allein, sondern war als Teil einer Reisegruppe unterwegs, wie dies bei fast allen Pilgern der Zeit üblich war. Auf manchen Etappen wurde die Gruppe begleitet durch „Soldaten, die uns mit römischer Disziplin Schutz geboten“.
Die Bibel wird zum Reiseführer
Die Gruppe ritt auf Eseln, kleinere Stücke wurden zu Fuß zurückgelegt, und man reiste „immer nach der Heiligen Schrift“. Überhaupt erinnert vieles in der Beschreibung Egerias an heutige biblische Gruppenreisen. Die Gruppe wurde von einem Reiseleiter, oft einem Kleriker oder Mönch aus der Gegend, begleitet. An entsprechenden Orten, aber auch unterwegs wurden Andachten abgehalten. Beim ersten Blick auf einen heiligen Ort wurde meist ein Gebet gesprochen, dann folgte immer die Lesung einer passenden Bibelstelle. Dabei fungierte die Bibel als eine Art Reiseführer.
Vor Ort ließ man sich die Besonderheiten der heiligen Stätten zeigen sowie lokale Gebräuche und tradierte Geschichten berichten. Egeria war hierbei an allem interessiert, so schreibt sie selbst: „Da begann ich, wie ich schon neugierig bin, zu fragen.“ Auffällig ist, dass Egeria und ihre Mitreisenden nicht nur die Orte des Neuen Testaments bereisten, sondern auch viele alttestamentarische Stätten und Prophetengräber aufsuchten. Ihr Interesse galt also nicht nur den Orten des Lebens Jesu, sondern allen biblischen Stätten.
Während Egeria noch im Schutz des Römischen Reichs reiste, wurden die Pilgerreisen nach dem Zusammenbruch des römischen Imperiums gefährlicher und beschwerlicher. Durch die veränderten politischen Bedingungen und die Ausbreitung des Islams reisten die Pilger nun zudem immer durch und in islamische Herrschaftsgebiete. So wurden der Angelsachse Willibald (um 700–787), später Bischof von Eichstätt und nach dem Tod heiliggesprochen, und seine Begleiter auf ihrer Pilgerfahrt (724–729) von den Sarazenen gefangen genommen.
Die Nonne Hugeburc, eine Zeitgenossin des Heiligen, berichtet in der „Vita Willibaldi“, dass die Reisegruppe erst nach längerer Gefangenschaft freikam und einen Geleitbrief erhielt. Solche Briefe, welche die Pilger unter den Schutz der lokalen Autoritäten stellten, halfen dabei, bestimmte Gebiete halbwegs sicher zu passieren, und wurden von den Pilgern in fast jedem zu durchreisenden Territorium angefragt.
Trotz der Gefahren entlang dem Weg war der Zugang nach Jerusalem bis zum Beginn der Kreuzzüge nie gefährdet. Zugleich bemühten sich die geistlichen und politischen Verantwortlichen im Abendland, durch Verordnungen und Maßnahmen das Pilgern zu erleichtern und zu privilegieren. Mit diesen Beschlüssen wurden jedoch nach und nach Frauen von der Pilgerschaft ausgeschlossen. So waren im Frühmittelalter – ganz anders als noch in der Spätantike – durch die veränderten Rahmenbedingungen nur noch Männer als Pilger unterwegs.
Nach dem Ende des Römischen Reichs wurde das römische Straßennetz nicht mehr gepflegt, und die Straßen waren etwa bei Regengüssen unpassierbar. Zudem erschwerten die wechselnden politischen Verhältnisse entlang der Balkanroute den Landweg in den Orient. Deshalb wurde im Frühmittelalter der Seeweg über das Mittelmeer zum üblichen Reiseweg ins Heilige Land. Die Schiffe segelten meist in Küstennähe und konnten so täglich zwischen 35 und 55 Kilometern zurücklegen. Der Seeweg war komfortabler und sicherer als der Landweg,
allerdings auch kostspieliger.
So entschied sich auch der später heiliggesprochene Benediktiner Willibald auf seiner Pilgerfahrt für den Seeweg. Zunächst besuchte er Rom und bestieg dann in der Hafenstadt Syrakus in Sizilien ein Schiff. Entlang der griechischen Küste und über Zypern reiste er mit seinen Begleitern ins Heilige Land. Auf dem Rückweg nahm die Reisegruppe den Weg über Konstantinopel zurück nach Süditalien.
To-do-Liste für den Aufenthalt im Heiligen Land
Es ist typisch für die Pilgerreisen dieser Zeit, dass nicht nur Jerusalem, sondern auch Rom besucht wurde. Die frühere Hauptstadt des Römischen Reichs lag auf dem Weg zu den süditalienischen Hafenstädten und war ein weiteres wichtiges Pilgerziel (siehe Artikel Seite 30). Von Süditalien konnte man dann entlang der nördlichen Mittelmeerküste über Zypern oder entlang der südlichen Mittelmeerküste über Ägypten das Heilige Land erreichen.
Bis ins 8. Jahrhundert hinein gehörte Konstantinopel zum Standardprogramm einer Reise nach Palästina, und es wurde normalerweise die nördliche Mittelmeerroute gewählt. Doch da hier die Sicherheitslage zunehmend schlechter wurde, wählten die Pilger seit dem 9. Jahrhundert den Weg über die südliche Mittelmeerküste und Ägypten. Konstantinopel wurde in der Folge nicht mehr besucht.
In Jerusalem angekommen, besuchten die Pilger viele heilige Stätten und Kirchen, allen voran die Grabeskirche und den Ölberg. An den heiligen Orten beteten sie und hielten Andacht. So oft sich eine Gelegenheit ergab, besuchten sie eine Messe oder einen Gottesdienst. Nach Möglichkeit verbrachten sie wichtige kirchliche Festtage an dazu passenden authentischen Orten, wie Ostern in Jerusalem oder Weihnachten in Bethlehem. Zu den weiteren häufiger besuchten Stationen im Heiligen Land zählten Nazareth, Jericho und der See Genezareth.
An einigen Stätten wurde auch versucht, die biblischen Ereignisse nachzuerleben. So berichtet die Nonne Hugeburc in ihrer Vita über den heiligen Willibald von dessen Reise ins Heilige Land, dass die Pilger im Dorf Kanaan in der Kirche einen Wasserkrug vorfanden, mit dem Jesus Wasser zu Wein gewandelt habe, und „sie tranken Wein daraus“. Im Fluss Jordan, in dem Jesus von Johannes getauft wurde, badeten die Pilger im Wasser. Jordanwasser und Erde von heiligen Stätten waren beliebte Reisesouvenirs.
Zentral für die Pilger waren also die persönliche Andacht und das Nacherleben der biblischen Ereignisse, „wo seine Füße standen“ (Psalm 131, 7; Vulgata). Durch das Nachahmen biblischer Geschichten versuchte man, das Heilsgeschehen nachzuempfinden. Dadurch fühlten sich die Pilger Christus und der Erlösung näher.
Das Handeln der Pilger am Ziel verdeutlicht die Gründe für die beschwerliche Reise: In der „Vita Willibaldi“ wird beschrieben, dass Willibald „aller Hinfälligkeit der Welt“ entsagen und den „vergänglichen irdischen Reichtum“ sowie „die Heimat, die Eltern und Verwandten“ verlassen wollte. Für ihn und viele Pilger seiner Zeit stand im Zentrum der Pilgerfahrt die Nachfolge Christi (imitatio Christi). Im Sinne dieser asketischen Heimatlosigkeit begann die Zielerfüllung bereits mit dem Verlassen der Heimat und nicht erst am Reiseziel.
Neben dieser grundsätzlichen Lebenshaltung traten die Sehnsucht nach Jerusalem und die Hoffnung auf Erlösung von den Sünden. So versuchte Willibald, seine Mitreisenden von seiner Pilgerfahrt zu überzeugen, indem er „auf die beglückende Verheißung des ewigen Lebens, auf die Schönheit des Paradieses und auf die Liebe Christi verwies“.
Zum dominierenden Faktor wurde der Sündenerlass jedoch erst im Lauf des Mittelalters. Um das Jahr 1000 war die abendländische Christenheit von starken Endzeiterwartungen erfasst. Die Nachricht von der Zerstörung des Heiligen Grabes im Jahr 1009 wurde als ein weiteres Zeichen für das nahende Ende der bekannten Welt gedeutet. Dies führte zu einer Intensivierung der Pilgerreisen nach Jerusalem. Im Vorfeld der Kreuzzüge reisten im 11. Jahrhundert große Gruppen nach Jerusalem. In dieser Zeit wurde die Reise im Kontext der Endzeiterwartung immer stärker mit dem Sündenerlass verbunden. Andere Ziele im Heiligen Land verloren nun gegenüber Jerusalem an Bedeutung.
Diese Entwicklung mündete unmittelbar in den Kreuzzugsaufruf Papst Urbans II. im Jahr 1095 und den damit verknüpften Sündenerlass für die Kreuzfahrer. Hieraus entwickelte sich der Ablasshandel, der im Spätmittelalter zu voller Entfaltung kam und erst mit der Reformation zusammenbrechen sollte. Die Hoffnung auf einer Verkürzung der Zeit im Fegefeuer beflügelte die weitere Entwicklung des Pilgerwesens in Europa. Mit dem Ablasswesen entfernte sich das Pilgerwesen jedoch von seinen Anfängen. Denn die frühen Jerusalem-Pilger waren keine „Ablassjäger“, sondern Wandler auf Christi Spuren und Verehrer der heiligen Orte.
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