Im ersten, strukturell ausgerichteten Teil seiner Arbeit problematisiert Kintzinger das Verhältnis von Bildung, Glauben und Wissen, das Handlungen leitet. Im zweiten, chronologisch angelegten Teil geht er auf Kloster-, Dom- und Stadtschulen sowie Universitäten ein. Ohne dies besonders herauszustellen, gibt der Autor Einblick in Gegebenheiten, die es dem Abendland ermöglichten, seit dem Spätmittelalter andere Hochkulturen in wichtigen Bereichen zu überflügeln: Zu nennen sind hier etwa eine genormte Schrift; Latein als Sprache der Gebildeten, eine große Mobilität lernwilliger junger Menschen, die weitgehende Lösung der Universität aus der Bindung an die Kirche sowie der Wechsel von Erstarrung und Reformwilligkeit, der Renaissancen möglich machte. Gelegentlich läßt Kintzinger eigene Erfahrungen und Sorgen einfließen, etwa mit dem Hinweis, daß mühsam erstrittene Freiheiten an der Universität immer von neuem verteidigt werden müssen. Die Darstellung wird aufgelockert durch prägnante Zitate (“Sein Feuer füllte das Haus mit Rauch, aber es leuchtete nicht”; Abälard, Tod 1142, über einen intellektuellen Gegner) und ausgeweitet durch originelle Abbildungen. Diese hätte man sich häufiger durch Legenden erschlossen gewünscht, etwa das Schema xy. Fragwürdig sind manche Verallgemeinerungen. So fragt man sich, ob es “den gläubigen mittelalterlichen Menschen” gab Sprache und Stil wirken über weite Strecken handbuchartig trocken; zu selten wird deutlich, wie leidenschaftlich Menschen in dem Jahrtausend von 500 bis 1500 mit den Vorgaben des Glaubens und der Autoritäten sowie mit konkurrierenden Forschern um Erkenntnis gerungen haben.
Rezension: Ohler, Norbert





