Krieg in der Ukraine – mitten in Europa. Schwierige Zeiten für Satire? „Nicht einfach, doch es geht“, sagt Museumsleiter Achim Frenz und erinnert an ein jüngstes Werk von Greser & Lenz, dem bundesweit bekannten Hauszeichner-Duo der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, mit vollem Namen Achim Greser und Heribert Lenz. Zu sehen ist „Wladimir der Schreckliche“ Putin, in seinen Armen ein blutüberströmt Sterbender in Uniform, der dem russischen Verteidigungsminister ähnelt. Inspiriert haben sich die Karikaturisten an einem Historiengemälde des 19. Jahrhunderts, das Iwan den Schrecklichen als Mörder seines Sohnes zeigt: „Eine neue Qualität der Satire“, urteilt Frenz, „außergewöhnlich, weil sie, indem sie die Grausamkeit Putins entlarvt, Betroffenheit auslöst.“
Greser und Lenz sind im Caricatura Museum keine Unbekannten. Das Museum hat ihnen 2021 eine große Einzelausstellung gewidmet. Im selben Jahr erwarb es mit Hilfe eines neugeschaffenen Etats 400 Zeichnungen der beiden Karikaturisten und ergänzte damit einen Bestand von rund 12 000 Werken. Darunter sind allein 7000 Originale der „Neuen Frankfurter Schule“ (NFS), jenes legendären Satiriker-Kreises, der sich seit den 1960er Jahren in der Mainmetropole zusammengefunden hatte.
Ohne deren überregionale Bekanntheit hätte die Stadt wohl 2007 nie Geld für ein eigenes Museum locker- gemacht, davon ist Frenz überzeugt. Die Zeichnungen, Bilder und Texte von Robert Gernhardt, Hans Traxler, Chlodwig Poth, F. W. Bernstein (eigentlich Fritz Weigle) und F. K. (Friedrich Karl) Waechter seien der Grundstock, sozusagen „das Herzstück“ des Museums, das heute Deutschlands umfangreichsten Schatz an komischer Kunst beherbergt.
Alles begann in Kassel, wo der damalige Kunststudent Frenz Ende der 1980er Jahre eine Galerie für komische Zeichnungen initiierte. Nach Frankfurt holte ihn im Jahr 2000 der damalige Kulturdezernent Hans-Bernhard Nordhoff und beauftragte ihn mit dem Aufbau eines „Museums der Komischen Kunst“. Dieses fand zunächst Unterschlupf im Historischen Museum, bis Frenz 2008 mit seiner Sammlung satirischer Zeichnungen ins benachbarte Leinwandhaus umziehen konnte.
Das um 1400 erbaute Stadthaus gegenüber dem Dom diente einst als Tuchmagazin. Ein eingemauertes eisernes Ellenmaß an der Außenwand zeugt davon. Im Krieg zerstört, wurde das Haus 1981 wiederaufgebaut und zunächst als Forum für Fotografie genutzt. Vor dem Eingang grüßt eine bizarre Gestalt aus Bronze, ein Mann mit Elchkopf, die Hände tief in die Taschen seines Trenchcoats vergraben, ein Hut zwischen dem Geweih. Der Elch – Markenzeichen des Museums und Wappentier der Künstler der NFS.
Im Erdgeschoss werden zwei- bis dreimal im Jahr wechselnde Ausstellungen gezeigt. Die präsentierten Künstlerinnen und Künstler spiegelten „die bedeutendsten Werke komischer Kunst der deutschsprachigen Szene wider“, so Museumsleiter Frenz. Indes: „Was wir könnten, können wir nicht.“ Es fehle an Fläche, um großformatige Bilder wirkungsvoller inszenieren zu können.





