Vor rund 3400 Jahren wurde das “Mädchen von Egtved” auf Jütland in einem Hügelgrab bestattet. Die in ihrem Grab gefundenen Beigaben, ihr Schmuck und die Kleidung deuteten schon bei ihrem Fund daraufhin, dass die bei ihrem Tod erst 16 bis 18-jährige Frau wahrscheinlich eine hohe soziale Stellung bekleidete. Heute gilt das “Mädchen von Egtved” als eine der am besten erhaltenen und dokumentierten Bestattungen der Bronzezeit in Europa.
Strontium-Isotope als Herkunfts-Nachweis
Noch spannender aber war, was Karin Frei vom Nationalmuseum Dänemarks in Kopenhagen und ihr Team im Jahr 2015 über dieses Bronzezeit-Mädchen herausfanden: Sie stammte ursprünglich aus dem Schwarzwald und verbrachte dort einen Großteil ihrer Kindheit. Erst rund eineinhalb Jahre vor ihrem Tod reiste sie nach Jütland – möglicherweise um dort zu heiraten. Für ihre Studie hatten Frei und ihr Team das Verhältnis der Isotope Strontium-87 und Strontium-86 in den Zähnen, Nägeln und Haaren des Mädchens ermittelt und mit denen ihres Bestattungsorts und weiteren Orten in Europa verglichen.
“Diese Methode basiert auf der Beobachtung, dass die Strontium-Isotopen-Verhältnisse geographisch unterschiedlich sind, je nach Gestein und Böden”, erklären Erik Thomsen und Rasmus Andreasen von der Universität Aarhus. Mit Wasser und Nahrung nehmen Mensch und Tiere diese ortstypischen Strontiumwerte auf und speichern sie in ihren Geweben. Das erlaubt es, die Herkunft selbst lange Verstorbener anhand dieser Werte zu ermitteln – vorausgesetzt man besitzt eine entsprechende Referenzkarte mit den lokalen und regionalen Isotopenwerten. Eine solche Karte hatten Frei und ihr Team mithilfe von Wasser- und Bodenanalysen für Jütland erstellt.
Durch Kalkdüngung verfälscht?
Das Merkwürdige jedoch: Die in der Egtved-Studie verwendete Strontium-Isotopenkarte zeigt eine erstaunlich gleichmäßige und von der Geologie Jütlands abweichende Verteilung der Strontiumwerte. “Man würde erwarten, dass sich der Wandel von stark kalkhaltigem Untergrund in Ostjütland zu den kalkarmen Böden in Westjütland in der Strontiumkarte widerspiegelt”, sagen Thomsen und Andreasen. “Doch das war nicht der Fall.” Aber warum? Die Forscher hatten dazu einen Verdacht: Möglicherweise hat die Kalkdüngung der Landwirtschaft die Werte verfälscht.
“Seit mehr als einem Jahrhundert wird Kalk zur Bodenverbesserung in den meisten Teilen Dänemarks eingesetzt”, so die Forscher. Doch auch dieser von den Bauern ausgebrachte Kalk enthält Strontium-Isotope – und könnte so die ortstypischen Isotopengehalte der Böden verändern und verfälschen. Um das nachzuprüfen, haben Thomsen und Andreasen 84 Wasserproben aus ganz Jütland auf ihre Isotopenwerte hin analysiert. Dabei jedoch stammten 60 Proben aus weitgehend unberührten, nicht durch Landwirtschaft geprägten Standorten, die 24 restlichen von Farmland.





