Noch steht er, in doppelter Lebensgröße und in Bronze, an einer stark frequentierten Stelle im Zentrum Wiens, die seit rund 100 Jahren seinen Namen trägt: am „Dr.-Karl-Lueger-Platz“ an der Ringstraße. Das Denkmal zeigt einen Bürgermeister in der pathetischen Machtpose eines Kaisers: mit erhobenem Kopf, den visionären Blick in den Himmel gerichtet, das mächtige Kinn vom Vollbart überwuchert, die zupackenden Hände wie zum Schwur ans Herz gelegt. Nur der elegante, knielange Gehrock scheint ihn um den Bauch herum ein wenig zu zwicken.
Das Monument, mit Stufenanlage rund zehn Meter hoch, ist eine einzige Machtdemonstration. Der Erbauer Josef Müllner stellte den bronzenen Lueger auf einen achtkantigen Marmorsockel, zu seinen Füßen gruppierte er vier lebensgroße Figuren, die seine Reformpolitik symbolisieren: Ein junger Arbeiter mit Gasrohr steht für die Kommunalisierung der Energieversorgung; ein Greis für die Altenbetreuung; eine trauernde Mutter mit Kind für Witwen- und Waisenfürsorge; und ein junger Landarbeiter für den Grüngürtel rund um Wien.





