Sie errichteten präzise geplante Städte, schnurgerade Straßen, Aquädukte und beeindruckende Monumente: Die Baukunst der Römer ist legendär. Die Grundlage für diese Bauprojekte schufen dabei versierte Landvermesser. Sie wurden Agrimensores genannt oder auch Gromatici. Diese Bezeichnung leitete sich von ihrem typischen Werkzeug ab: der Groma. Es handelte sich dabei um eine Kombination von Lot und Visierkreuz, das zum Abstecken rechter Winkel für die Vorbereitung von Bauprojekten benutzt wurde. Das Instrument bestand aus einem Stativ mit einem Auslegerarm, auf dem ein drehbares Achsenkreuz angebracht war, an dessen Enden vier Lote herabhingen. Über die jeweils diagonal gegenüberliegenden Lotschnüre war eine Sichtverbindung möglich, die dazu diente, Referenzstangen im Gelände aufzustellen. So konnten die Gromatici die Grundlage für den Bau präzise ausgerichteter Strukturen schaffen.
Rätselhafte Darstellungen im „Orion-Haus“
Abbildungen, die geometrische Konzepte der antiken Landvermesser veranschaulichen, sind bisher nur aus mittelalterlichen Werken bekannt. Sie entstanden zwar viele Jahrhunderte nachdem die Kunst der Gromatici nicht mehr praktiziert wurde, aber Historikern zufolge basieren die mittelalterlichen Darstellungen wahrscheinlich auf antiken Quellen. Reste einer Groma sind bisher nur aus Pompeji bekannt: Sie wurden bereits 1912 bei Ausgrabungen in der im Jahr 79 n. Chr. verschütteten Stadt entdeckt. Über 100 Jahre später berichten nun die Forscher um Massimo Osanna vom Archäologischen Park Pompeji erneut von einer Entdeckung mit Bezug zur römischen Vermessungstechnik.
Im Fokus steht dabei ein Haus Pompejis, das erst in den letzten Jahren vollständig ausgegraben wurde. In zwei Räumen des Gebäudes fanden die Archäologen aufwändige Boden-Mosaike, die den mythologischen Jäger Orion darstellen. Als Sternbild hatte er auch eine Bedeutung in der Astronomie, die in der Antike mit der Vermessungstechnik in Verbindung gebracht wurde, sagen die Wissenschaftler. Doch deutlich ungewöhnlicher als diese Mosaike des sogenannten Orion-Hauses sind drei eher unscheinbar wirkende Darstellungen. Es handelt sich um aus Steinen gebildete geometrische Figuren, die im Fußboden an zwei Stellen im zentralen Bereich des Gebäudes zu erkennen sind – des Atriums.
Symbole der Gromatici zeichnen sich ab






