„Ich bin in Wehlau geboren. Am 24. April 1945 ist meine Mutter verhungert … Ich bin nach Litauen. Ich war klein, so sieben … Tja, und dann bin ich rumgelaufen bis 1953.“ So erzählt Liesabeth Otto ihre Geschichte. Sie und ihre Leidensgenossen, heute „Wolfskinder“ genannt, verloren in den Wirren des Kriegsendes oder der Nachkriegszeit in Ostpreußen ihre Eltern, schlugen sich durch, ganz auf sich allein gestellt. Auch Liesabeth Otto irrte umher, ohne dass sich jemand ihrer annahm. Sie erlebte Gewalt, Hohn und Schutzlosigkeit. Als sie als 15-Jährige beim Stehlen erwischt wurde, internierte man sie zunächst im Kindergefängnis, dann im Frauenstraflager in Sibirien, insgesamt sechs Jahre lang. Danach folgten eine unglückliche, ebenfalls von Gewalt bestimmte Ehe und die Geburt einer Tochter. Nach jahrelangem Suchen gelang es Otto schließlich, ihre Familie in Deutschland ausfindig zu machen, doch das Land war ihr fremd, das Leben mit den Angehörigen voller Streit. Heute lebt Liesabeth Otto in Kaliningrad, das sie als ihre Heimat ansieht. Die ZDF-Journalistin Inge Jacobs hat über die Geschichte dieses „Wolfskindes“ einen preisgekrönten Film gedreht, jetzt ist auch das unbedingt lesenswerte Buch erschienen.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger





