Was blieb den beiden benachbarten Städten Elberfeld und Barmen anderes übrig, als in die Luft über der Wupper auszuweichen? Die expandierende Wirtschaft des sechstgrößten Ballungsraums im Deutschen Reich stieß an die engen Grenzen des Wuppertals, die knapp 200000 Einwohner mußten immer größere Distanzen überwinden, und im Industrialisierungsboom war Geschwindigkeit die Devise. Andere Städte, wie London oder New York, fanden mit Tram- und Untergrund-Bahnen eine Lösung. Doch der felsige und grundwasserführende Boden im Wuppertal sowie die engen Straßen schlossen solche Ideen aus. Einzig möglich war der Bau einer Schwebebahn. „Es wird sich wahrscheinlich in der vorsichtigen Bürgerschaft niemand finden, der sich an einem derartigen Unternehmen beteiligen will“, prophezeite Oberbürgermeister Jäger von Elberfeld Ende 1889, als der Stadtrat erstmals konkret über den Bau einer Hochbahn beriet. Begonnen wurde denn auch mit dem Bau der Bahn erst im Sommer 1898, so lange hatten die Entwicklung der Technologie und die Vertragsverhandlungen gedauert. Unter den „Testfahrern“ noch vor der offiziellen Eröffnung war am 24. Oktober 1900 auch Kaiser Wilhelm II. – allerdings mit negativen Folgen für die weitere Verbreitung der Schwebebahn: Zu jener Zeit nämlich stand für die Reichshauptstadt ebenfalls die Errichtung einer Hochbahn zur Diskussion. Nach der Fahrt über der Wupper jedoch notierte der Monarch: „Darunter, nicht darüber!” Berlin bekam seine U-Bahn. So wurde die Doppelstadt an der Wupper Heimat eines einzigartigen Systems für den öffentlichen Personennahverkehr. Inzwischen ist der „stählerne Lindwurm”, wie die 13,6 Kilometer lange Eisenkonstruktion im Volksmund heißt, weltberühmt. Und trotz des verheerenden Unglücks, das 1999 fünf Menschenleben forderte, bleibt sie das wohl sicherste Verkehrsmittel der Welt.





