Die Xylothek besteht aus zwei Serien: Eine 44 Bände umfassende ältere und eine neuere Serie mit 145 Bänden. Beide Serien stammen aus der Zeit um 1800, sind aber offenbar in verschiedenen Werkstätten gefertigt worden. Mehrere Jahre brauchte der Präparator Thomas Plöttner, um die empfindlichen, handgefertigten Bände zu restaurieren. „Nun wollen wir diesen Schatz so vielen Menschen als möglich zugänglich machen“, sagt Dr. Annegret Bäuerle vom Insitut für Zoologie der Universität Hohenheim. Die Digitalisierung schien hierfür das probate Mittel. Zu sehen ist die Bibliothek hier: http://uhoh.de/xylothek
„Die Hohenheimer Holzbücher stoßen weltweit auf großes Interesse“, berichtet Ulrich Fellmeth, der Leiter des Archivs der Universität Hohenheim. „Dies belegen die vielen internationalen Anfragen“. Gleichwohl sind die Bücher sehr empfindlich und müssen aus konservatorischen Gründen hinter Glas aufbewahrt werden. Eine herkömmliche Nutzung, also das Aufschlagen und „Lesen“ der Bücher durch Interessierte, ist ausgeschlossen. „Diese bedauernswerte Lücke, unsere Holzbücher nicht der interessierten Öffentlichkeit zur Nutzung zur Verfügung stellen zu können, wollten wir nun schließen”.
Obwohl Holzbibliotheken Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts weit verbreitet waren, galten sie damals schon als prestigeträchtiger Schatz. „Nur vermögende Leute konnten sich Xylotheken leisten“, erklärt Fellmeth. „Das waren meistens Besitzer großer Grundstücke und Waldungen: Könige, Adlige, Klöster oder Forstakademien“. So kam auch eine Holzbibliothek nach Hohenheim. „Von 1820 bis 1880 war nämlich die höhere Forstausbildung des Königreichs Württemberg an der damaligen Land- und Forstwirtschaftlichen Akademie Hohenheim beheimatet und die Förster beschafften sich für den Unterricht eine Holzbibliothek“.
Um 1880 verließen die Förster jedoch im Streit mit den Landwirten Hohenheim und gingen an die Landesuniversität Tübingen. Bei ihrer überstürzten Abreise haben sie offenbar neben anderen Kostbarkeiten auch die Holzbücher vergessen mitzunehmen. Beinahe wären diese in vollkommene Vergessenheit geraten. Bis in die 1970er Jahre lagen die Holzbücher auf dem Dachboden des Schlosses Hohenheim und verstaubten. Der Zufall war es, der den damals neu berufenen Ordinarius für Zoologie, Hinrich Rahmann, auf die Kiste mit den handgefertigten Kostbarkeiten stießen ließ.





