Von Lucius untertreibt bewusst die Gefahren, um seine Frau nicht zu beunruhigen. Dennoch wird klar, dass sein Leben durch Lebensmittelknappheit und Bombenangriffe zunehmend schwieriger wurde. Die eigene Wohnung in Neu-Westend blieb aber wegen der damaligen Stadtrandlage weitgehend unzerstört. Während Berlin in den Kriegswirren versank, besuchte von Lucius noch bis Ende 1944 Theater- und Gesangsabende. Er wurde im Luftschutzdienst verletzt („Wehwehchen“), als Hilfspolizist eingeteilt und erkrankte mehrfach. Sachlich bleibt er auch in seinem Bedauern, von seiner Frau und der Ende 1943 geborenen Tochter getrennt zu sein.
Der Briefverkehr war zwischen April und Oktober 1945 unterbrochen. Von Lucius, der nicht NSDAP-Mitglied gewesen war, erreichte noch 1945 seine Zulassung als Rechtsanwalt und setzte sich vergeblich für den Erhalt der Familiengüter in Thüringen ein; sie gingen der Familie ebenso verloren wie große Teile seiner dort gelagerten Sammlung expressionistischer Graphik. Ansonsten ist die Ernährung das alles beherrschende Thema der Briefe: Immer wieder werden Lebensmittel aufgezählt, die man entweder schmerzlich vermisst oder glücklich ergattert hat – mit genauen Mengenangaben. Mitte 1946 war die Familie wieder in Berlin vereint.





